Mikesch auf Strawanz Monatelang verschwunden: Bahnhofskater wieder aufgetaucht

, aktualisiert am 20.09.2018 - 14:34 Uhr
Kater Mikesch sonnt sich am Bahnhof zwischen den Fahrrädern. Foto: Christine Vincon

Wer mit dem Zug pendelt, kennt ihn: den roten Bahnhofskater. Doch ein halbes Jahr lang war er verschwunden. Seit Juli ist er wieder daheim. Die Geschichte einer Freundschaft.

Landshut - Auf leisen Pfoten huscht er durch die Landshuter Bahnhofshalle, maunzt ein wenig, geht weiter nach draußen und legt sich zwischen die Autos. Da fühlt sich Kater Mikesch sicher vor den Hunden. Menschen, die ihn sehen, bleiben stehen, rufen ihn beim Namen, streicheln ihn. Den Mikesch kennt man am Bahnhof.

Seit über zehn Jahren verbringt der Kater dort ein paar Stunden am Tag. Angeblich ist Mikesch eines von drei Kätzchen, dass vor 13 Jahren ausgesetzt wurde. Seine Geschwister seien gestorben, Mikesch also allein. Der Kater aber wusste es geschickt anzustellen, suchte sich ein Heim am Bahnhof, dann in den Heimgärten hinter den Gleisen. Erst 2010 verschlägt es ihn in sein richtiges Zuhause – daheim bei Herrn Rieder.

Mikesch wird zum Bahnhofs-Maskottchen

Der Witwer Erwin Rieder (80) lebt etwa hundert Meter vom Bahnhof entfernt. Vor acht Jahren taucht der Kater das erste Mal im Garten unterhalb seiner Wohnung auf. "Ich hab ihn damals gefüttert. Er hat ja gar so kläglich gemaunzt und war an der Pfote verletzt", sagt der Witwer. Nachdem er gefressen hatte, war er alsbald auch wieder weg - aber er kam zurück. Immer wieder, Tag für Tag. Daraufhin installiert Rieder eine Katzenleiter zu seiner Wohnung in den ersten Stock.

Von da an wohnt Kater Mikesch nun bei Herrn Rieder. Dort nimmt er seitdem auch Rieders Sessel in Beschlag. Sie schauen gemeinsam Fernsehen, sie teilen sich das Bett. "Er ist schon ein Schmusekater, aber eben auch ein Wilder."

Der Wildheit oder dem Katzendasein geschuldet: Kater Mikesch ist oft auf Strawanz. Anstatt in die Heimgärten oder in den Wald geht er bevorzugt an den Bahnhof. "Das konnten wir ihm nicht austreiben", sagt Rieder fast ein bisschen wehmütig. So kommt es, dass Mikesch am Bahnhof ziemlich bekannt ist, sogar eine Art Maskottchen stellt er da.

Zwar sind nicht alle im Bahnhofsgebäude glücklich, dass er immer wieder kommt, aber im Zeitschriftenladen darf er schon mal ein Nickerchen halten. Auch wenn er draußen zwischen den Fahrrädern liegt, kommen Menschen und kraulen ihn. Er rollt sich auf dem Rücken hin und her und zeigt sein weiches, weißes Bauchfell. So kommt es, dass der Kater bei vielen sehr beliebt ist.

Mikesch plötzlich verschwunden - Verdacht auf Tierhasser

Umso unverständlicher war es Rieder, als Mikesch eines Tages nicht mehr heimkam. Zwei Tage lang denkt er sich nichts dabei. Danach wird ihm aber mulmig: "Man weiß ja nicht, vielleicht hat ihn jemand getreten oder überfahren." Rieder erinnert sich, dass damals jemand einen Igel an einen Baum genagelt hatte. Rieder bekommt es mit der Angst zu tun, dass vielleicht ein Tierhasser unterwegs ist. Verschwunden ist Kater Mikesch am 22. Dezember 2017.

Rieders Tochter hat noch eine andere Idee, was passiert sein könnte. Der Kater wird in der letzten Zeit am Bahnhof regelmäßig gefüttert. Vielleicht hat ihn jemand über die Feiertage eingepackt und mit nach Hause genommen.

Doch auch im neuen Jahr taucht Mikesch trotz Suche nicht wieder auf. "Wir haben den Kater doch extra chippen lassen", sagt Rieder. Nach ein paar Monaten gibt Rieder die Hoffnung auf; Mikesch bleibt verschwunden. Bis zu einem Freitag im Juni, "es war der 29.", erinnert sich Rieder.

Mikesch ein halbes Jahr lang auf Abwegen

Er erhielt einen Anruf von der Tierhilfe Kelheim; sie hätten seinen Kater gefunden. "Am Anfang hab ich es fast nicht geglaubt", erzählt Rieder die Geschichte voller Freude. Am nächsten Tag fährt der 80-Jährige alleine nach Kelheim und holt seinen Kater wieder nach Hause.

Wie es zuging, dass Mikesch dort hinkam, lässt sich nur vage rekonstruieren: Im Dezember nimmt wohl ein Pendler den Kater im Sinne des Weihnachtsfriedens mit nach Hause, weil er dachte, Mikesch wäre ein Straßenkater. Der Pendler kann aber den Kater nicht behalten und bringt ihn wohl zu Bekannten nach Riedenburg. Dort wird man mit ihm nicht glücklich und übergibt ihn der Tierhilfe Kelheim. Erst dort wurde man auf den Chip des Katers aufmerksam und meldete sich bei Herrn Rieder.

Warum das alles ein halbes Jahr gedauert hat und wo Mikesch nun genau hausen musste, bleibt ein Geheimnis. Dem seit zwei Jahren verwitweten Erwin Rieder geht beim Wiedersehen jedenfalls das Herz auf. Voller Freude ist er, dass sein Kater nun wieder daheim ist.

Und auch wenn Mikesch nach wie vor am Bahnhof strawanzen geht, abends sitzen sie wieder auf ihrem Sessel und schauen gemeinsam Fernsehen.

 

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