Landshut Sanitäter auf der Dult: Sie helfen, wenn andere feiern

Die Landshuter Sanitäter Stefan Haas und Tamara Gorris verbringen ihr Wochenende lieber damit, auf der Dult anderen zu helfen, als selbst im Bierzelt zu sitzen. Foto: Christine Vinçon

Tamara Gorris und Stefan Haas sind jedes Jahr ehrenamtlich als Sanitäter auf der Dult im Einsatz.

Landshut - Es ist 23 Uhr am Samstagabend. Erste Pflaster wurden im BRK vergeben und so langsam schwankt der ein oder andere Betrunkene wieder nach Hause. Stefan Haas steht vor der Dultwache und beobachtet die Besucher in ihrer Tracht, als eine Gruppe junger Mädchen zu ihm stürmt. Eine Freundin sei gestürzt und habe sich am Kopf verletzt.

Haas schnappt sich seine Kollegin und schon geht es den Jugendlichen hinterher. An einem Fahrgeschäft sitzt die 22-Jährige mit weiteren Freunden. Der 47-jährige Sanitäter begutachtet und versorgt die Platzwunde am Hinterkopf und unterhält sich einfühlsam mit der jungen Patientin. Die 26 Jahre Routine, die Haas als Rettungssanitäter mitbringt, machen sich bemerkbar. Doch sein Beruf ist das Sanitäterdasein nicht.

Eigentlich ist er Rechtsanwalt in Landshut, hat drei Kinder. Bereits während seines Studiums begann er seine Ausbildung beim BRK und fuhr nebenbei Rettungsdienst. "Das war genau der richtige Ausgleich zum trockenen Jurastudium", sagt er. "Das ist es auch heute noch. Für einen Anwalt ist es außerdem ein Luxus, in seiner Freizeit immer der Gute zu sein."

Und so ist er auch Jahr für Jahr wieder mit auf den Dult-Sanitätsdiensten dabei. Vor 25 Jahren habe es Nachmittage gegeben, da waren die Sanitäter nur zu zweit. "Das gibt es heute nicht mehr", erzählt er. An starken Tagen sind an die neun Einsatzkräfte im Dienst. Aufgefallen sei ihm außerdem, dass sie weniger Alkoholisierte und Patienten nach Schlägereien zu behandeln haben. Diese Versorgungen sind eher die Ausnahme.

Hingegen stehen Blasenpflaster ganz hoch im Kurs. Aber auch zu Insektenstichen, Schnittverletzungen oder Kreislaufproblemen bei entsprechenden Temperaturen kann es häufiger kommen.

Das kann auch die 25-jährige Tamara Gorris bestätigen. Sie ist Bürokauffrau und engagiert sich seit fünf Jahren beim BRK. "Die Betrunkenen kommen erst später am Abend", sagt sie. In ihrer Schicht am Samstag war es lediglich einer, der zu tief ins Glas geschaut hatte und zu dem der Rettungswagen der Dultwache mit Tamara Gorris an Bord ausrücken musste.

Mit 22 Jahren machte sie ihren ersten Dultdienst. Seither ist sie im Frühjahr und im Herbst als Sanitäterin am Start. An teilweise blöde Sprüche der Betrunkenen hat sich die hübsche Landshuterin inzwischen gewöhnt. "Einfach ignorieren", lautet ihre Devise.

Es sind die schönen Situationen auf der Dult, die ihr in Erinnerung bleiben. Wenn sich zum Beispiel Menschen im Nachgang bedanken - einen Kuchen vorbeibringen. Doch das schönste Feedback ist für die 25-Jährige, wenn sie von einem gesundheitlich kritischen Patienten im Nachhinein erfährt, wie es ihm geht oder ob er eine lebensbedrohliche Situation überstanden hat. "Das baut einen auf. Deshalb macht man das Ganze."

Bei solchen Einsätzen schwingt trotzdem immer der Gedanke mit, dass sie als ehrenamtlicher Sanitäter, solange bis Rettungsdienst und Notarzt kommen, die alleinige Verantwortung tragen. Dann gelte es nur noch zu funktionieren, sagt die 25-Jährige.

Doch die Sanitäter haben auch mit weniger brenzligen Situationen zu tun. So zum Beispiel mit einem kleinen Jungen auf der Frühjahrsdult, der sich den Fuß beim Autoscooter eingeklemmt hat. "Vieles sieht am Anfang wild aus und dann hilft doch einfach nur ein Teddy", so Gorris.

Die Samtagnachtschicht verläuft für die beiden Sanitäter und ihre Kollegen vergleichsweise ruhig. An die 20 Einsätze hat das BRK am Ende zu verbuchen, die allesamt noch ein positives Ende fanden.

Bei der Frage nach ungewöhnlichen Einsätzen auf der Dult, müssen die ehrenamtlichen Rettungssanitäter gar nicht weit zurücküberlegen. Erst am Vortag sind zwei Männer in die Isar gefallen, wohl als sie gerade ins Wasser pinkeln wollten.

Zwei Männer bieseln in die Isar - und fallen hinein

Zum Stichwort "pinkeln" fällt auch dem Anwalt eine kleine Anekdote von der Dult ein: Vor ein paar Jahren wurden zu einer gewissen Uhrzeit die Toiletten, die im gleichen Gebäude wie die BRK-Sanitäts-Station ist, zugesperrt. Zwei junge Männer hatte das so stark geärgert, dass sie dem Sanitäter vor lauter Trotz regelrecht vor die Füße pinkelten. Was die Herren nicht bedacht hatten: Auch die Polizei ist an der Dultwache untergebracht. Und so bescherte ihnen diese Aktion ein Bußgeld über 70 Euro.

Heute kann der Anwalt über diesen Zwischenfall nur noch lachen. Auch halten sich solche Vorfälle eher in Grenzen. "Dass Einsatzkräfte angegriffen werden, habe ich hier zum Glück noch nie mitbekommen." Das Durchkommen zu den Patienten im vollen und lauten Bierzelt stelle eine viel größere Herausforderung für die Helfer dar.

Dort arbeiten und helfen, wo andere Party machen. Das ist nicht immer ganz einfach, doch für Tamara Gorris und Stefan Haas ist es mehr als eine ehrenamtliche Tätigkeit. "Es haben sich bei uns inzwischen viele Freundschaften entwickelt", sagen sie: "Und gemeinsam Helfen macht mehr Spaß, als sich gemeinsam im Bierzelt zu betrinken."

 

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