Landgericht Schleuserprozess: Im Kofferaum ins Land gebracht

Es ist voll auf den Anklagebänken: Am Donnerstag begann in Saal 273 des Strafjustizzentrums der große Schleuser-Prozess. Foto: jot

Prozess am Landgericht: Sieben Männer müssen sich wegen 75 Schleuserfahrten verantworten. Laut Anklage sind Flüchtlinge auch im Kofferraum transportiert worden.

 

München – Es ist einer der größten Schleuserprozesse, die in München je verhandelt wurden. Sieben Männer teilen sich den Platz auf den drei Anklagebänken mit acht Anwälten und drei Übersetzern. Vier Männer sollen eine organisierten Bande gebildet und 75 Schleuserfahrten organisiert haben. Die drei anderen Angeklagten sollen ihnen dabei geholfen haben.

In einem Fall fand die Polizei einen Flüchtling im Kofferraum, in einem anderen hatten die Schleuser zwei Kinder im Fußraum transportiert, weil das Auto überfüllt war.
Die Anklage von Oberstaatsanwalt Kai Gräber führt 75 Schleuserfahrten auf. Etwa 300 Flüchtlinge – die meisten stammen aus Syrien – seien so nach Deutschland geschafft worden, schätzen die Ermittler.

Für 400 bis 600 Euro, für 700 Euro nach Dänemark

Das haben Gräber und seine Ermittler rekonstruiert: Im September 2014 sollen sich die vier Hauptangeklagten zur sogenannten Bonner Zelle zusammengeschlossen haben. Die organisierte Schleusergruppe wollte „gemeinschaftlich und arbeitsteilig“ Flüchtlinge von Italien nach Deutschland oder Dänemark schleusen. Die Schleuser sollen für die Fahrt nach Deutschland 400 bis 600 Euro verlangt haben. Nach Dänemark kostete der Transport laut Anklage 700 Euro.

Bereits im September soll es auch schon die ersten Schleuserfahrten gegeben haben. Einer der ersten „Aufgriffe“, so der Polizei-Jargon, gelang dann am 17. November 2014 auf der A8 bei Piding. Vier Flüchtlinge gingen der Polizei damals ins Netz. Die Organisation dieser Schleuserfahrt wird dem angeklagten Quartett zur Last gelegt.

Der Prozess gegen sie und ihre drei Komplizen begann nur schleppend. Vor allem Verteidigerin Ricarda Lang hatte viel zu kritisieren, stellte einen Befangenheitsantrag gegen Richter Oliver Ottmann. Unter anderem beklagte sie, dass die Gerichtsbesetzung zu spät bekannt gemacht wurde und sie erst spät komplette Akteneinsicht hatte. Auch die Anklage – die nach über zwei Stunden Verzögerung dann doch verlesen werden konnte – war ihr zu schwammig.

 

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