Landgericht München Mit Eispickel auf die Tochter losgegangen

Wegen versuchten Totschlags angeklagt: Der 58-jährige Angeklagte musste im Rollstuhl zum Prozessauftakt gebracht werden. Foto: John Schneider

Ein 58-Jähriger steht wegen versuchten Totschlags vor Gericht. Der herzkranke Mann wird im Rollstuhl in den Saal gebracht.

 

München - So richtig lieb hatten sie sich wohl nie. Schon als Kind hat er sie oft geschlagen. Trotzdem schaute Petra R. (Name geändert) ab und zu nach ihrem kranken Vater, der bei ihr in Pliening im Haus wohnte.

Am 16. Dezember 2012 aber eskalierte ein erneuter Streit zwischen Vater und Tochter. Petra R. wollte den Blutzucker des Diabetikers messen, ein Wort gab das andere. Bis Paul R. (58) zu einem Eispickel griff, „I derschlag di!“ rief und laut Anklage seine Tochter töten wollte. Ihr Freund warf sich dazwischen. Niemand wurde verletzt. Paul R. aber muss sich nun wegen versuchten Totschlags verantworten.

Der ehemalige Zimmerer wurde im Rollstuhl in den Gerichtssaal gefahren. Seit einem Schlaganfall 2010 kann der Mann nur noch schlecht gehen. Er leidet an Diabetes und Herzinsuffizienz.

Die Gutachter stellten bei ihm sogar eine beginnende Demenz fest. Auch seine Tochter findet, dass er in den letzten Monaten in U-Haft „sehr abgebaut hat“. Seine Stimme ist leise, Fragen müssen wiederholt werden. Ob er wirklich immer im Detail versteht, was da mit ihm passiert?

Anwalt Adams sagt: „Er hatte nie vor, seine Tochter zu töten“

Sein Anwalt Michael Adams erklärt, dass Paul R. nie vorhatte, seine Tochter mit dem Eispickel zu töten: „Er hat es auch nicht billigend in Kauf genommen.“ Sonst sagt der Angeklagte nichts zum Tatvorwurf.

Also sprechen andere. Seine Tochter zum Beispiel: „Den Stock habe ich sehr nahe gesehen.“ Die Metallspitze sei nur noch Zentimeter von ihrem Kopf entfernt gewesen, sagt die Bäckereiverkäuferin, als ihr Freund den Pickel habe festhalten können.

Bereits drei Wochen vor der Eispickel-Attacke habe es einen Streit gegeben, berichtet sie dem Landgericht. Ihm habe es nicht gefallen, wie eine Leiter aufgehängt worden sei. Bereits da habe er mit einem Spaten gedroht.

Ihr Vater sei nach seinem Schlaganfall von einer Tante betreut worden. Die Mutter war vier Jahre zuvor gestorben.

Am Tattag habe der Vater herumgeschrien und der Tochter vorgeworfen, sie kümmere sich nicht um ihn, er sei ihr völlig egal. „Was soll ich mich kümmern, er hat mich geschlagen als Kind“, sagte Petra R..

Ihr Freund schilderte gestern nochmals seine Rettungstat. Seine Freundin habe vor ihm gestanden, als ihr Vater angriff. „Ich habe sie zur Seite geschubst, den Pickel gepackt und ihm aus der Hand gezogen.“ Der Prozess dauert an.

 

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