Landesparteitage AfD-Mitglied im Trikot von Jérôme Boateng

, aktualisiert am 09.07.2016 - 14:41 Uhr
"Boateng ist seit 2007 mein Lieblingsspieler", sagt Ferdinand Weber. Foto: dpa

Mit dem Outfit will Ferndinand Weber nicht gegen AfD-Bundesvize Alexander Gauland wettern: Das AfD-Mitglied zeigt sich auf dem Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz im Boateng-Trikot...

 

Mainz/Kremmen - Ein Trikot mit dem Namen von Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng - das ist auf Parteitagen der AfD eher selten. Das Pirmasenser AfD-Mitglied Ferdinand Weber trug ein solches T-Shirt beim Landesparteitag der AfD Rheinland-Pfalz am Samstag in Bingen.

"Boateng ist seit 2007 mein Lieblingsspieler", sagte Weber. AfD-Bundesvize Alexander Gauland hatte im Mai in einem Interview über den dunkelhäutigen Nationalspieler gesagt: "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben."

Damit war Gauland auf viel Kritik gestoßen. Mit dem T-Shirt will Weber nach eigenen Angaben aber nicht gegen Gauland wettern - im Gegenteil: "Seine Aussage ist inhaltlich absolut richtig", sagte das Parteimitglied. Gauland dafür als Rassisten darzustellen, sei "komplett falsch". "Ich hätte gern, wenn ich mir es finanziell leisten könnte, beide als Nachbarn."

"Antisemitismus ist eine Grenzüberschreitung"

Brandenburgs AfD-Landeschef und Bundesvize Alexander Gauland stellt sich im Führungsstreit in seiner Partei demonstrativ hinter den Bundesvorsitzenden Jörg Meuthen. "Grenzüberschreitung kann ins politische Aus führen", sagte Gauland am Samstag auf dem Landesparteitag der AfD in Kremmen (Oberhavel).

"Und Antisemitismus ist eine solche Grenzüberschreitung." Meuthen hatte im Stuttgarter Landtag als Fraktionschef mit zwölf Abgeordneten die AfD-Fraktion verlassen, weil er keine ausreichende Mehrheit für den Ausschluss des Abgeordneten Wolfgang Gedeon wegen antisemitischer Äußerungen bekommen hatte.

Der AfD-Bundesvorsitzende Meuthen will auch nach dem schweren Führungsstreit die Partei weiterhin im Team mit Frauke Petry führen. "Frau Petry und ich können, wollen und werden gemeinsam zum Wohle der Partei zusammenarbeiten", sagte Meuthen beim Parteitag der AfD Rheinland-Pfalz.

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Er räumte ein: "Ein Konflikt ist da definitiv gewesen." Meuthen betonte: "Man darf Dissense in der Sache haben." Trotzdem müssten beide zusammenarbeiten. Es gebe keinen Machtkampf zwischen Petry, ihm und AfD-Vize Gauland. Meuthen betonte aber: "Führungsstil allerdings ist ein Thema, und das müssen wir klären."

Gauland griff dagegen erneut die AfD-Vorsitzende Frauke Petry an, die in Stuttgart interveniert und erklärt hatte, sie wolle die zerstrittene Fraktion wieder zusammenschmieden.

Gauland kritisierte in Gegenwart Petrys, dass sie sich mit ihrem Besuch in der Stuttgarter Landtagsfraktion ungefragt eingemischt habe. "Das wollen wir in unserem Landesverband nicht, das wollen die Kollegen in den anderen Landesverbänden nicht - und deswegen darf es das nicht geben." Petry hatte sich zuvor als Gastrednerin auf dem Landesparteitag in Kremmen nicht zu dem Konflikt geäußert.

Petry ruft zu Geschlossenheit auf

AfD-Parteichefin Petry rief die Partei ungeachtet ihres offenen Streits mit ihrem Co-Vorsitzenden Jörg Meuthen zur Geschlossenheit auf. "Wir haben es auch in der schwierigen Anfangszeit hinbekommen, weil wir immer einig zusammengestanden haben", sagte Petry am Samstag in einer Rede auf dem Landesparteitag der Brandenburger AfD in Kremmen (Oberhavel).

Auf ihren Zwist mit Meuthen und auf die Spaltung der baden-württembergischen AfD-Fraktion unter seiner Führung ging sie nicht direkt ein. Einen Zustand, dass innerhalb der AfD nicht engagiert diskutiert werde, habe sie noch nicht erlebt, sagte Petry lediglich. "Und ich will einen solchen Zustand bei der AfD auch nicht erreichen."

Mit Pfeifkonzert empfangen

Mit einem Pfeifkonzert hatten rund zwei Dutzend Gewerkschafter und Mitglieder der Partei Die Linke die rund 180 Delegierten beim Landesparteitag der AfD in Brandenburg empfangen. Mit Plakaten wie "Rote Karte für Rassisten" demonstrierten sie in Kremmen gegen die nationalkonservative Politik des Landesvorsitzenden Alexander Gauland und für den brandenburgischen Mindestlohn von 9 Euro, den die AfD im Landtag abgelehnt hatte.

 

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