Landesamt für Denkmalpflege Jahrhundertfund im Kammergrab: Anna bringt Licht ins Dunkel

Restauratorin Svenja Kampe arbeitet im Landesamt für Denkmalpflege an Fundstücken aus dem Kammergrab. Foto: AZ-Montage/dpa

Das Landesamt für Denkmalpflege präsentiert einen Jahrhundertfund: Ein Kammergrab aus dem  Jahr 450 nach Christus eine Zeit, aus der so gut wie nichts überliefert ist.

 

Seit dem Jahr 555 genau ist die Existenz eines bairischen Stammesherzogtums belegt – die Agilolfinger herrschten damals mit Sitz in Freising. Mit dem Jahr 476 ebenfalls exakt datiert ist der Zusammenbruch des Römischen Reiches – doch schon zuvor hatten sich die Römer aus Süddeutschland peu à peu zurückgezogen. Was aber in den 79 Jahren dazwischen passierte – zwischen den Römern und den Baiern – lag bislang im Dunkel der Geschichte verborgen. Bis gestern jedenfalls.

Zu verdanken haben wir das Anna. Anna? So haben die Archäologen eine 1,73 Meter (für damalige Zeiten) riesengroße Frau benannt, deren Gebeine in einem Kammergrab bei Pförring (Kreis Eichstätt) entdeckt wurde. Datiert wird die Bestattung auf die Jahre 400 bis 450 nach Christus, also exakt in die dunkle Zeit nach den Römern – und vor den Baiern.

Das zweistöckige Kammergrab ist nicht bloß ein spektakulärer Fund – es ist ein Jahrhundertfund! Die hölzerne Grabkammer maß etwa drei auf drei Meter und enthielt einen Zwischenboden, der sie in zwei Etagen teilte. Die Verstorbene ruhte auf einem Totenbett, neben ihr stand eine eisenbeschlagene Holztruhe für Grabbeigaben.

Die Grabkammer ist zweistöckig: Hausrat liegt im Keller

Darin: eine reiche und ungeplünderte Ausstattung. So etwa mehr als 300 Perlen aus Glas, Bernstein und Korallen – die Trageweise der Perlen als Ketten und Gewandschmuck lässt sich gut rekonstruieren. Im Stirnbereich fanden sich zahlreiche Beschläge aus vergoldetem Silberblech, sie scheinen Tiere, womöglich Schafe, darzustellen.


95 Kilometer von München entfernt: Ím Markt Pförring (Kreis Eichstätt) ist das Kammergrab entdeckt worden. Foto: Google Maps

Neben Schmuck und einem Gürtelgehänge konnten zudem etwa 40 pyramidenförmige Beschläge geborgen werden. Sie sind ebenfalls aus vergoldetem Silberblech hergestellt und waren wohl auf ein kostbares Textil aufgenäht.
Im "Untergeschoss" der Grabkammer befanden sich zahlreiche weitere Beigaben, sorgfältig arrangierter Hausrat – unter anderem ein eisernes Webschwert, ein Kamm, ein gläserner Spitzbecher und ein Geschirrsatz aus Flaschen und Schalen.

Es gelang den Archäologen, das Grab vollständig zu bergen; einzelne Teile wurden im Block aus dem Lößboden geschnitten und werden erst jetzt bei der Restaurierung im Landesamt für Denkmalpflege (BLfD) in München auseinandergenommen.
Die günstigen Bodenbedingungen machen den Fund so aufschlussreich: Alle Details der hölzernen Kammer sind im Boden exakt ablesbar geblieben – auch nach über 1600 Jahren.

Das Grab aus Pförring ist das erste Kammergrab der Völkerwanderungszeit, das in Süddeutschland in den vergangenen 25 Jahren entdeckt und jetzt nach modernen Standards dokumentiert wurde. Der Markt Pförring und das BLfD arbeiten bei der Untersuchung des Kammergrabs eng zusammen: im Rahmen eines Kooperationsprojekts werden die Funde derzeit in den Werkstätten des BLfD am Hofgraben erfasst, gereinigt und gesichert.

"Annas" Kammergrab befand sich übrigens in einer dem Landesamt bekannten germanischen Siedlung, nur wenige Kilometer von der spätantiken Grenze des Römischen Reichs an der Donau entfernt. Eins ist klar: Es sind dort noch mehr Funde zu erwarten – aus der dunklen Zeit der Völkerwanderung, bevor die Baiern Geschichte gemacht haben.    

Lesen Sie auch: Münchens Nahverkehr - 50 Jahre U-Bahn: Der Wettlauf zum Marienplatz


 

0 Kommentare