Ladendiebstahl: Neue Masche Scampi-Banden plündern zahlreiche Discounter

Die Täter flüchten mit vollem Einkaufswagen. Foto: AZ

Sie haben es besonders auf feine Waren wie Garnelen oder Rinderfilet abgesehen: "Scampi-Banden" beklauen in und um München zahlreiche Discounter.

 

München - Seit ein paar Monaten haben es Diebesbanden besonders auf die großen Supermarktketten wie Aldi oder Lidl abgesehen. Die dreisten Täter rollen prallvoll gefüllte Einkaufswägen einfach aus dem Geschäft – ohne zu zahlen. Der Schaden pro Diebstahl macht jedes Mal mehrere Hundert Euro aus, manchmal sogar über 1000 Euro. Da die Täter offenbar besonders gern hochpreisige Artikel wie Krustentiere mitgehen lassen, sprechen einige Filialleiter intern bereits von der „Scampi-Bande“.

Die Täter gehen immer ähnlich vor: Meist betreten zwei Bandenmitglieder das Geschäft, während zwei andere draußen warten: Einer steht zunächst Schmiere, der vierte sitzt im Auto. Die beiden „Einkäufer“ schieben einen Wagen an den Regalen und Kühltruhen entlang und füllen ihn mit allem, was eher teuer ist – Riesengarnelen, Rinderfilet oder Dallmayr-Kaffee sind besonders beliebt. Eine Filialleiterin sagt zur AZ: „Da legen sie dann aber nicht nur eine Packung in den Einkaufswagen, sondern gleich zehn oder noch mehr. Das werden richtige Luxus-Groß-Einkäufe.“

Ist der Einkaufswagen voll, geht es nicht zur Kasse, sondern wieder zurück in Richtung Eingangsbereich. Dort warten die Diebe auf einen günstigen Moment, in dem im Laden möglichst viel los ist und alle Mitarbeiter beschäftigt sind. Dann geht die dritte Person von draußen auf die automatischen Türflügel zu, damit diese sich nach innen öffnen. Diesen Augenblick nutzen die Diebe, um den vollen Einkaufswagen aus dem Geschäft zu schieben.

Dann geht alles ganz schnell: Die Waren werden in das wartende Auto verfrachtet und das Quartett flüchtet mit seiner Beute. „Einmal musste so eine Bande ihren Einkaufswagen zurücklassen. Wir haben festgestellt, dass darin Waren im Wert von 1300 Euro lagen“, sagt die Filialleiterin.

Egal, ob in Augsburg, Heidelberg oder Norddeutschland: Mittlerweile sind in ganz Deutschland Diebesbanden nach diesem Muster aktiv. Am vergangenen Montag wollten zwei Männer und zwei Frauen auf diese Art im City Center in Gersthofen bei Augsburg einen Wagen mit Einkäufen im Wert von 500 Euro stehlen, flüchteten dann aber. Zeugen berichteten der Polizei später, dass einer der Täter eine Irokesen-Frisur trug. Das Fluchtfahrzeug war ein Hyundai.

Auch in und um München sind seit einigen Monaten Scampi-Banden unterwegs. Wie viele es genau sind, weiß die Polizei nicht – die Fälle werden bisher nicht von gewöhnlichen Ladendiebstählen unterschieden. „Allein in unseren Filialen gab es in den vergangenen Wochen drei bis vier Diebstähle dieser Art – pro Tag!“, sagt die Filialleiterin. Der Schaden betrage mehrere zehntausend Euro.

Versuche, die Täter abzuschrecken, führten bislang nicht zum gewünschten Erfolg. „Wir setzen sogar extra Wachpersonal ein. Aber wenn das um 11 kommt, kommen die Täter um 10.45 Uhr.“

 

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