Lach- und Schießgesellschaft „Heil – Vom Koma zum Amok“ mit Sigi Zimmerschied

Sigi Zimmerschied. Foto: dpa

Sigi Zimmerschied mit seinem Programm „Heil – Vom Koma zum Amok“ in der Lach & Schieß

"Alle sind da“, freut sich der Sigi, „sogar die Frauen“. Er feiert seinen 65. Geburtstag. Doch bald wird klar, dass mit „alle“ nicht die Zuschauer bei der voll besetzten Lach- und Schießgesellschaft gemeint sind, sondern die, die in Sigi Zimmerschieds neuester kabarettistischer Tragikomödie nicht auftreten werden. Sigi ist allein zu Hause und säuft sich einen böse endenden Abend lang sein einsames Feiern schön. Die einzigen, die vorbei schauen, sind ein paar Fliegen, eine Kakerlake und eine Ratte.

Die Tierchen verlieren bei dieser Gelegenheit ihr Leben, denn das Geburtstagskind steht vor der Rente und kann eine langjährige Berufserfahrung als Schädlingsbekämpfer vorweisen. Nur ein paar Pestizide braucht es, und „aus dem Maikäfer wird ein Aprilscherz“. Und er kennt sich aus in der Welt: „Für den Schwarzafrikaner ist der Kakerlak Ernährung“, weiß der weiße Kammerjäger, dessen Beruf wie Berufung das Ausrotten ist und der einen unmissverständlich sprechenden Namen trägt: Sigi Heil.

Zimmerschied gab dem monströsen Helden von „Heil - Vom Koma zum Amok“ nicht nur seinen Vornamen. Beide sind auch im gleichen Alter. Dass der Passauer Satiriker in näherer Zukunft in den Ruhestand gehen wird, ist freilich nicht zu erwarten, denn noch immer setzt er auf dem Brettl nicht nur mit viel Mut zur, sondern auch großer Lust an der Hässlichkeit neue Marken vitaler Bösartigkeit. Nach seinem niederschmetternden Rentenbescheid denkt auch der fiktive Sigi an berufliche Neuorientierung und übt schon mal in einer überfallartig grandiosen Nummer mit und inmitten des Publikums eine mögliche Tätigkeit auf dem Gebiet des Terrorismus.

Es ist tatsächlich mehr Drama als Kabarett, was über die Jahrzehnte hinweg zum Zimmerschiedschen Markenzeichen geworden ist. Ganz allmählich entfaltet er die Situation, in der er Schlaglichter in eine traurige Existenz wirft. Er schlüpft in die Rollen des Bruders oder des Pfarrers und erzählt von der Mutter, einer Avon-Beraterin, und dem Vater, einem gewaltaffinen Steuerprüfer.

Wie immer beim Zimmerschied finden Faschismus und Katholizismus ganz eng zusammen. Für einen wie ihn sind die Zeiten eines selbstbewusst auftretenden Rechtspopulismus ertragreich. Wenn er von einem erzählt, dessen Kunden ihn vor Scham wegen des Ungezieferbefalls nur diskret einließen – „Mein Leben ist der Hintereingang“ –, gespenstern auch unausgesprochen die mit, die sich inzwischen wieder vor die Haupteingänge trauen.
   
Münchner Lach- und Schießgesellschaft, bis 15. März dienstags bis samstags, 20 Uhr, Telefon 391997

 

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