Lach- & Schießgesellschaft Wiedersehen mit Stefan Jürgens

Der Ex-Comedian Stefan Jürgens. Foto: Tina Acke

Der Ex-Comedian, Schauspieler und Sänger Stefan Jürgens präsentiert sein neues Album in der Lach & Schieß

 

Wer mit den zwölf Songs durch ist, dem drängt sich zunächst mal die Frage auf: Wie es wohl seinem Vater geht? Im wohl berührendsten Song seines neuen Albums „Was zählt“ singt Stefan Jürgens von seinem kranken Vater, zu dem er mitten in der Nacht mit Tempo 170 über die Autobahn hetzt. „Bin für das, was geschehen kann, nicht bereit“, heißt es da mal. Das klingt nicht gut, doch als man den sorgenden Sohn dann am Telefon hat, gibt er gleich Entwarnung: „Es geht ihm den Umständen entsprechend gut. Er hat es überstanden. Aber danke der Nachfrage.“

Stefan Jürgens. Den hatte man lange als Comedian schubladisiert, als buchstabendrehenden Kentucky-schreit-ficken-Blödler: „Das hat er aber wieder gefickt eingeschädelt.“ Albereien aus den 90ern, die im Oberstübchen von Millionen seit 25 Jahren einen festen Platz haben, ob man will oder nicht.

Der Quatsch der frühen Jahre

Fünf Jahre lang war „RTL Samstag Nacht“ ein Fest für Freunde des gehobenen Schwachsinns, dank der herrlichen Blödeleien von Wigald Boning, Olli Dittich, Esther Schweins, Mirco Nonteschew – und eben Stefan Jürgens. Der trug die Haare damals noch raspelkurz, gab den Kentucky-Verkäufer mit Sprachfehler („Darf ich Sie hier mal an die Bheke titten?“), veräppelte Roger Willemsen in „Wilhelms Woche“, parodierte Derrick („Harry, hol schon mal den Wagen“) und verlas die höchst witzigen „Samstag-Nacht-News“.

Ewigkeiten ist das her, heute kann Jürgens schon noch darüber lachen, aber seine Lebenswirklichkeit ist längst eine ganze andere: Seit vielen Jahren schon määandert er zwischen TV, Theater und Konzertbühne. Keine Spur mehr vom Quatsch der frühen Jahre.

Er wollte schon immer singen

Schon mit 16 hat er Songs geschrieben, mit 19 sogar eine Platte aufgenommen. „Ich wollte in der Tat Musiker werden“, erzählt Jürgens, es gab sogar einen Gig in der Stadthalle Unna, seiner Heimatstadt. Doch dann zog es ihn doch zum Schauspiel. Nach dreieinhalb Jahren Ausbildung an der Schauspielschule in Bochum ging es quer durch die Bühnen der Republik, in den 90ern kam das Fernsehen in Form der bald zum Kult avancierten „RTL Samstag Nacht“ hinzu, und danach bog der Charakterkopf Richtung Krimi ab: Berliner „Tatort-Kommissar, später Major Ribarski in „SOKO Donau“ und dazu mehr als 30 TV-Filme jeglicher Provenienz. Was ihn jedoch nicht losließ: der Wunsch auf einer Bühne zu stehen oder am Klavier zu sitzen und die eigenen Lieder zu singen.

Erst 2003 war es dann endlich soweit: das erste Album, mit dem passenden Titel „Langstreckenlauf“. Zwei Jahre später schon das nächste Werk: „Heldenzeiten“, gefolgt von „Alles aus Liebe“, „Alles immer möglich“, „Grenzenlos Mensch“ und nun jetzt eben, mit Mitte 50, „was zählt“. 

„Als ich dieses Album begonnen habe, war mir sehr schnell klar, dass das der rote Faden sein soll. Es ist eine Reise durch meine Gefühls- und Gedankenwelt in einer unruhigen und scheinbar immer undurchschaubareren Zeit.“

Das Zeitgeistige vom Beständigen trennen

Im Titelsong versucht Jürgens, das Zeitgeistige vom Beständigen zu trennen und seinen inneren Kompass danach auszurichten - denn was übrig bleibt, wenn es wirklich drauf ankommt, „was zählt – weiß jeder ganz allein“. Es geht um Wut und eine klare Haltung in „jeder gegen jeden“, um Treue zu sich selbst in der Ballade „dialog mit einem alten freund“, um die Verlockungen einer total vernetzten Welt in „irgendwo, nicht hier“, um sein großes Vorbild Rio Reiser in „blinder passagier“ und um den ewigen Beziehungskampf in „keine ahnung wie’s geht“.

Irgendwie scheint’s aber doch zu gehen, denn seine vier erwachsenen Kinder finden Papas Musik nicht nur okay, sie sitzen sogar mit ihm im Tourbus und fahren mit ihm durch die Lande von Auftritt zu Auftritt. Da scheint jemand ziemlich viel richtig gemacht zu haben.

Stefan Jürgens mit „was zählt“ am 20. März um 20 Uhr in der Lach- und Schießgesellschaft
 

 

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