Kurioser Rechtsstreit VW-Bus von Mäusen zerfressen – die Werkstatt zahlt 5.000 Euro

Ein Fall, bei dem es in jeder Hinsicht um viele Mäuse geht... Foto: dpa

NÜRNBERG Wenn sie einmal losgelassen... die Mäuseschar, die Britta T.s (Name geändert) VW-Multivan (Baujahr 1997) auf dem Gelände einer Werkstatt in der Oberpfalz zerlegte, hat ganze Arbeit geleistet: Einen Gesamtschaden von über 12.000 Euro sollen die Mäuse angerichtet haben. Die Halterin war fassungslos: Der Kfz-Mechaniker sollte dafür zahlen. Der jedoch weigerte sich stoisch – und zettelte dabei eine Art „Ausländerdebatte” um die scharfzahnigen Nager an. Denn er meinte: Auf seinem Gelände gebe es gar keine Mäuse. Wenn, dann seien sie eingeschleppt worden – und er damit aus dem Schneider.

 


Gestern wurde dieser kuriose Fall, bei dem es in jeder Hinsicht um viele Mäuse geht, am Oberlandesgericht (OLG) in Nürnberg verhandelt.
Rückblick: 2004 war Britta T. mit ihrem VW-Multivan in Italien im Urlaub. Dort blieb der Wagen auf der Straße liegen – Motorschaden. Sie ließ ihn zurück nach Deutschland transportieren, um ihn daheim reparieren zu lassen.


Auf dem Werkstattgelände im Kreis Neumarkt stand das Mobil dann einige Monate. Grund: Der Ersatzmotor sollte für Britta T. möglichst günstig sein, solch ein gebrauchtes Teil musste für den alten Bus aber erst gefunden werden. In dieser Zeit sollen sich die Mäuse in dem VW breit gemacht und Kabel und Beläge zerfressen haben.

Ein Gutachter stellte die Mäuse-Attacke fest


Britta T. bemerkte den Schaden, weil der Van nach der Reparatur immer noch nicht richtig fuhr. Sie schaltete einen Gutachter ein. Der stellte unter anderem die fiese Mäuse-Attacke fest.


Empört klagte die Halterin: Der Reparateur habe ein Rücklicht an ihrem Multivan ausgebaut und damit den Mäusen vor Ort buchstäblich Tür und Tor geöffnet. Der Wagen, für den sie locker noch 8000 Euro bekommen hätte, ist jetzt kaum mehr etwas wert.


Der Autoschrauber hingegen wehrte sich mit Händen und Füßen. Sein interessantestes Argument: Die fraglichen Mäuse kämen gar nicht von seinem Gelände – ja nicht einmal aus der oberpfälzischen Region. Wenn überhaupt, müsse es sich um südländische Nager handeln, die beim Rücktransport von Italien im Van mitgereist seien.


Sieben Jahre zog sich dieser Streit um die Mäuse hin. In erster Instanz wurde Britta T.s Klage abgewiesen. Am Dienstag aber wendete sich das Blatt. Die Parteien einigten sich auf einen Vergleich: 5.000 Euro muss der Kfz-Meister nun bezahlen. OLG-Richter Thomas Koch: „Für uns war weniger der Streit um die Mäuse entscheidend, ausschlaggebend war, dass der Mechaniker nachweislich Reparatur-Fehler gemacht hat.”

 

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