Kunst im öffentlichen Raum Regenwasser aus Berlin

Den Münchner Viktualienmarkt ziert seit dem 8. Mai ein schräger Buddha-Skulptur "Made in Dresden", das Projekt des Malaysischen Künstlers Han Chong. Der unecht anmutende goldene Farbton der Skulptur und ihr einfaches Design erinnern an typische Souvenirartikel – ein kritischer Verweis auf die industrielle Massenproduktion als Phänomen unserer Zeit sowie auf die weitgehend unbekannte Tatsache, dass Billigartikel für den asiatischen Raum in Europa hergestellt werden. Foto: Leonie Felle

„A Space Called Public” – Das vom Duo Elmgreen & Dragset kuratierte Kunstprojekt bespielt die ganze Münchner Innenstadt

 

Ein München-Rundgang wie eine Schatzsuche, auf der Spur aller Einzelwerke von „A Space Called Public”, ist – aber bitte nur mit vagen Ortsangaben und ohne Führer – unbedingt zu empfehlen. Denn man nimmt die Stadt auf Kunst-Entdeckungsreise ganz anders wahr. Das Spannende an der Kunst im öffentlichen Raum ist ja, dass man ihr beiläufig begegnet und nie sicher sein kann, ob das vermeintlich Alltägliche sich als etwas Besonderes herausstellt, oder ob manche Kunst einfach banal bleibt.

Alles, nur „keine Spektakel”, hatten jedenfalls die Kuratoren der Reihe, das Duo Michael Elmgreen & Ingar Dragset, im Sinn. Seit heute sind alle 17 Installationen und Interventionen im öffentlichen Raum vollendet, für der Stadtrat im Januar 1,2 Millionen Euro bewilligt hat.

Kaum zu übersehen ist Ed Ruschas großes Billboard am Lenbachplatz: „Pay Nothing Until April” steht quer über dem Bild eines verschneiten Bergmassives. Die rätselhaft-schöne Plakat-Botschaft hallt im Stadtraum mindestens so eindrucksvoll nach wie im Museum.

Plakativ ist auch Alexander Laners „Schöner Wohnen”, der umgebaute Denkmalsockel am Wittelsbacherplatz. Das Mikro-Apartment ist nun vollmöbliert und bezugsfertig. Der Besichtigungstermin für das „Luxus-Objekt in Toplage” ist für den 15. Juni, 15 Uhr, angesetzt. Zynisch? Ironisch? Oder nur der ganz normale München-Wahnsinn?

In der Sparkassen-/Falkenturmstraße sieht man dagegen gar nichts. Man schnuppert vorsichtig, um die eigens für diesen Ort geschaffene Duft-Mixtur von Sissel Tolaas zu erkennen. Handelt es sich nur um die Haarspay-Schwaden vom Friseursalon gegenüber? Wer eine gewöhnungsbedürftige Mischung aus Bier, Schweinsbraten und Parfüm ausmachen kann, hat das immaterielle Kunstwerk gefunden.

Am Isartorplatz wiederum könnte man witterungsbedingt noch durch einige original-münchnerische Wasserlachen waten. Eine von ihnen, die größte, ist allerdings eine „Berliner Pfütze” – mit echtem Hauptstadt-Regenwasser. Die große Flut über Deutschland lässt Kirsten Pieroths Pfützen-Translozierung noch absurder erscheinen.

Am Gärtnerplatz hat Ragnar Kjartansson den beiden Architektenbüsten im Gärtnerplatz-Rondell ein unauffälliges Marmormonument hinzugefügt, Titel: „Träumerei”. Mit der Inschrift „Alles was er machen wollte, war zu onanieren und Pralinen zu essen” beweist der Isländer einen Humor, der den „Spirit” des Ortes ganz gut erfasst, den man jedoch auch nicht vermissen würde.

Und nicht nur im Sinne des Ortsbezugs gelungen ist Tatjana Trouvés „Waterfall”, ein leise tröpfelnder Brunnen vor der Stephanskirche am Alten Südfriedhof. Die scheinbar klatschnasse Matratze hängt über einer Betonbrüstung und tropft ab – sie ist aus Bronze. Und letztlich auch ein beredtes Symbol für die Münchner Wohnungsnot: Man denkt an das Matratzenlager der Obdachlosen unter der nahen Wittelsbacherbrücke, das von der reißenden Isar weggeschwemmt wurde.

Eröffnung 6. Juni 2013, 16 Uhr, Einzelwerke zu sehen bis 9. September. Termine, Lageplan und Infos auf www.aspacecalledpublic.de

 

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