Kunst-Auktionator ist tot Rudolf Neumeister (†91): München sagt Servus

Trauerfeier von Auktionator Rudolf Neumeister in St. Michael in München Foto: Michael Tinnefeld/Agency People Image(c.)

Knapp 700 Freunde verabschieden den berühmten Kunst-Auktionator Rudi Neumeister (†91) in der Michaelskirche. Es ist ein Requiem, das ihm gefallen hätte: gesellig, künstlerisch, liebevoll und familär.

München - "Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird." – Dieser Satz von Immanuel Kant steht auf den Trauerkärtchen, die alle Gäste in der Michaelskirche in der Altstadt bekommen.

Und er sagt genau das aus, worum es an diesem sonnigen und dabei für alle Anwesenden doch so düsteren Tag geht. Ums Abschiednehmen von einem nicht nur bedeutenden Macher, sondern äußerst beliebten Familienmenschen.

Rudolf "Rudi" Neumeister starb am 23. Februar mit 91 Jahren. Wenngleich das ein gesegnetes Alter ist, so kommt es für seine Lebensgefährtin Anneliese Dostthaler, seine drei Töchter Martina Neumeister-Scheublein, Katrin Stoll und Michaela Neumeister-de Pury – aus der Ehe mit seiner Christa († 2003) –, die Enkel und Urenkel trotzdem zu früh.

München sagt an diesem Freitag Servus. Nicht leise, dafür laut und liebevoll. Fast 700 Freunde und Weggefährten von Münchens berühmten Kunst-Auktionator (siehe Kasten) sind zu dem Requiem gekommen, das dem Rudi gefallen hätte. Seine (Ur)Enkel sprechen die Fürbitten und erinnern vor allem an seinen großen Humor, die gesellige, bajuwarisch-zupackende Art, seine Liebe zur Kunst, zur Familie und Natur.

Als Höhepunkt spielt Star-Geigerin Anne-Sophie Mutter "ein musikalisches Gebet, in Liebe Rudi gewidmet". Gerade noch gab sie zu seinem 90. Geburtstag ein Privatkonzert, jetzt ist’s ein Abschied.

In der Kirche und bei der Beerdigung am Ostfriedhof dabei: Herzog Franz von Bayern, Evi Brandl (Vinzenzmurr, Aigner), Milliardärs-Witwe Ingrid Flick, Privatbankier Wilhelm Winterstein, Sedlmayr-Oberhaupt und Manager Dieter Soltmann, Galerist Konrad Bernheimer, Unternehmerin Karin Holler, Traudi Kustermann, Mietwagen-Königin Regine Sixt, Innegrit Volkhardt (Bayerischer Hof), Brauerei-Besitzer Franz Inselkammer mit Frau Angela (BHG-Präsidentin), Unternehmer Werner Diehl, Charlotte Knobloch, die Wiesn-Wirte Edi Reinbold und Christian Schottenhamel, Franz Georg Strauß, Max Streibl jr. und Anwalt Wolfgang Seybold und Hans Clarins Witwe Christa.

Ein Leben für die Kunst

In die Wiege gelegt worden ist ihm die Kunst nicht: Rudolf Neumeister (†91) wuchs in Schwabing auf und stellte als Bub den Großkopferten Milchflaschen vor die Tür. Doch er knüpfte schon da wichtige Kontakte zu später emigrierten Kunsthändlern, lernte, wie wichtig ein gutes Netzwerk ist.

Nach dem Abitur studiert er Jura, volontiert bei Kunsthändler Hans Binder. Es geht steil nach oben. Neumeister übernimmt das Auktionshaus Weinmüller, zehn Jahre später zieht er mit seinem gleichnamigen Auktionshaus in die Barer Straße.
Er wird einer der bedeutenden Kunstversteigerer der deutschen Nachkriegszeit – und der wichtigste in München.

Den Weltrekordpreis von 1 Million DM erzielt er für "Friede im Lande“ von Carl Spitzweg.
Auf einem Flug lernt er seine große Liebe kennen: Stewardess Christa (†) bekommt drei Töchter. 2008 übernimmt eine von ihnen, Katrin Stoll, das Imperium.

 

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