Kulturzentrum vor Sanierung Rundgang: Hier gammelt der Gasteig

Seit 1985 thront er an der Rosenheimer Straße: Geliebt haben die Münchner ihren Gasteig noch nie – aber angenommen. Rund 1,8 Millionen Bürger kommen pro Jahr in das Kulturzentum zu Konzerten, Ausstellungen, zum Schmökern, Musizieren, zu Vorträgen der VHS und, und, und. Foto: Gregor Feindt

Am Mittwoch entscheidet der Stadtrat wieder mal über den nächsten Sanierungsschritt für den Kultur-Bunker in Haidhausen. Dass etwas getan werden muss, zeigt sich beim AZ-Rundgang.

 

München - Rostrot präsentiert sich der Gasteig seinen knapp 1,8 Millionen Besuchern pro Jahr von außen. Und auch innen bleibt das Kulturzentrum zwangsweise seiner farblichen Linie treu – noch. Am kommenden Mittwoch soll in der Vollversammlung über die Millionen-Sanierung des Gasteigs abgestimmt werden.

Geht der „Dringlichkeitsplan II“ durch, kann den Korrosions-Katastrophen im Gemäuer der Kampf angesagt werden. Noch vergangene Woche hatte der Wirtschaftsausschuss des Stadtrats die Entscheidung über die 22,6-Millionen-Euro-Tranche vertagt. Eine Einigung konnte nicht erzielt werden. Wieder mal.

Im Gasteig ist man deshalb gespannt. Die Stadt München deklariere sich immer gern als Kulturstadt, dann müsse sie auch investieren, heißt es da. Einen ersten Dringlichkeitsplan hat sie schon umgesetzt. Die Sanierung endet mit diesem Jahr, begonnen hatte sie 2011. Jetzt müsse dringend der zweite Plan, der Sanierungsmaßnahmen von 2014 bis 2017 vorsieht, verabschiedet werden, sagt Ralf Böttcher.

Der 40-Jährige ist Bauingenieur und arbeitet seit 2007 im Gasteig. Er beobachtet den Verfall mit Kopfschütteln: „Es liegt in der Natur der Sache, dass mit der Zeit Böden neu beschichtet oder Fenster abgedichtet werden müssen.“

Und es gibt noch mehr Schwachstellen, die dringend saniert werden müssen, um den Betrieb aufrechterhalten zu können. Böttcher, der im Gasteig „für alles, was statisch relevant ist“ zuständig ist, kennt sie alle.

Zusammen mit der AZ geht er durch die Anlage und zeigt die rostroten Seiten des Gebäudes. In der Bilderstrecke können Sie die morschen und maroden Stellen im Gasteig mit eigenen Augen anschauen. 

Voll blind

Die Aussicht vom Dach des Gasteigs ist unglaublich: Von hier kann man Münchens Wahrzeichen wie den Alten Peter oder die Frauenkirche sehen. Schaut man aber zur Seite auf die Fensterfront des Geschosses, wird’s finster: Wasser dringt durch die Scheibenkonstruktion. Wegen des geringen Wärmeschutzes der Fenster tropft das Kondensat in die darunterliegende Bibliothek.

Aber nicht nur das. Der Stahlrahmen der Fenster rostet und die Doppelverglasungen erblinden. So ergeht es vielen Glasflächen im Gasteig.

Im Zuge des Dringlichkeitsplans I wurde bereits die Decke der Glashalle, dem großen Eingangsbereich des Gasteigs, saniert. „Hier hat es so getropft, dass manche Aussteller keine Stellflächen bei Veranstaltungen mehr mieten wollten“, sagt Böttcher.

Nicht unbedingt ein Aushängeschild für das Kulturgebäude. Jetzt sollen nochmal zwei Millionen fließen. 

Endlich wieder Luft?

Ohrenbetäubend laut wummert im Keller des Gasteigs der Luftwäscher der Klimaanlage. Sie hält den Betrieb des gesamten Gebäudekomplexes aufrecht. „Ohne die Lüftungsanlagen würde hier gar nichts gehen – keine Konzerte, keine Lesungen, keine Veranstaltungen“, sagt Ralf Böttcher.

Fatal, dass gerade hier großer Sanierungsbedarf herrscht. Das Gehäuse des Luftwäschers muss erneuert werden – auch damit das Gewummer nicht mehr ins Gebäude hochdringt. Mit einem Spezialkunststoff müsse man dann das Rostproblem dahinter angehen, so Böttcher.

Außerdem müssten unter anderem die Antriebsmotoren, Ventilatoren und Brandschutzklappen erneuert und die Kanäle gereinigt werden. Kostenpunkt: über 700000 Euro. 

Steter Tropfen höhlt...

Still ist es in der Tiefgarage des Gasteigs. Nur ein beständiges Tropfen hallt durch die Betonkatakomben. An einer Ecke verdunkelt ein Leck das Grau der Garagendecke. Darüber liegt die Sonnenterrasse des Restaurants „Gast“. „Von hier dringen Regen und Schmelzwasser durch die Fugen in die Garage“, sagt Ralf Böttcher.

„Um das zu beheben, müssen ein paar 1000 Quadratmeter Decke aufgerissen und komplett neu verdichtet werden.“ Das kostet. Im Dringlichkeitsplan II sind dafür fast fünf Millionen Euro vorgesehen.

Davon muss auch der Boden der Garage neu beschichtet werden. „Durch das viele Streusalz, das die Autos hier reintragen, hat sich im Laufe der Zeit Rost im Stahlbeton gebildet“, sagt Böttcher. „Die Stabilität ist bei manchen Abschnitten nicht mehr gewährleistet.“

Viele Stellen seien zwar bereits mit Flüssigkunststoff geflickt worden. Doch schon eine etwa zwei mal drei Meter große Fläche koste bereits bis zu 1500 Euro und hält nur ungefähr zwei Jahre, so Böttcher. „Es muss endlich eine nachhaltige Lösung finanziert werden.“

 

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