Kulturpolitik Was lange währt

Polier Franz Leitl verschließt am Freitag in der Baugrube des NS-Dokumentationszentrums in der Arcisstraße den Grundstein. Mehr als 65 Jahre nach Kriegsende wurde der Grundstein für ein Dokuzentrum gelegt. Das 28,2 Millionen Euro teure Zentrum soll 2014 eröffnet werden. Foto: Andreas Gebert/dpa

Am Freitag wurde der Grundstein für das schon im Bau befindliche NS-Dokuzentrum gelegt – das Haus der Erinnerung an Münchens dunkelste Geschichte kommt mit über 60 Jahren Verspätung

 

Der Ort, an dem der Ungeist seinen Anfang nahm”, nannte Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle das Gelände des „Braunen Hauses”, der NSDAP-Parteizentrale. Genau von hier aus soll künftig ein Signal ausgehen, ein „Nie wieder als Staatsräson”. Das NS-Dokuzentrum wird ein historisch-politischer Lernort und künftigen Generationen „Aufklärung und Wachsamkeit, gegen Ausgrenzung und Fremdenfeindlichkeit” aufzeigen. Bei der Grundsteinlegung des 28,2 Millionen Euro teuren Hauses zeigte sich auch Oberbürgermeister Christian Ude erleichtert, dass nach einem „sehr langen, kaum entschuldbaren Zeitraum” Münchens „über die Maßen beschämende historische Hypothek” als Hauptstadt der Bewegung umfassend dargestellt werden könne.

Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) betonte, das Zentrum sei „wichtig für die Erinnerungskultur in ganz Deutschland” und lobte Theo Waigels hartnäckige Überzeugungsarbeit für den Bau. Das NS-Dokuzentrum soll 2014 eröffnet werden und bis zu 250000 Besuchern jährlich Antworten auf die Fragen nach Tätern, Motiven und Verantwortung der Gesellschaft geben.

Auch Zeitzeugen wie Charlotte Knobloch und der Holocaust-Überlende Max Mannheimer waren gekommen. Dass über die Einrichtung eines Dokuzentrums schon seit 1945 diskutiert wurde, nahm Mannheimer gelassen: „Eine gute und wichtige Sache kommt nie zu spät.”

 

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