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Das Münchener Kammerorchester ist mit 26 festen Musikern das kleinste unter den vier Eliteorchestern der Stadt. Foto: Marek Vogel

Das Münchner Kammerorchester fahndet nach einem neuen Probenraum

 

Manchmal kommt einem die hiesige Konzertsaal-Debatte luxuriös vor. Etwa, wenn man ans Münchener Kammerorchester denkt: Seine Musiker proben in einem Souterrain der Siemens-Zentrale nahe dem Wittelsbacher Platz. Erst zur Generalprobe wechseln sie ins Prinzregententheater. Dass ihre Konzerte trotzdem klanglich bis in Letzte ausgefeilt wirken, grenzt an ein Wunder.

Seit zwei Jahren sucht das Kammerorchester nach einem neuen Probenraum: Siemens will seine Hauptverwaltung umbauen. Gut 150 Objekte wurden geprüft, keines erwies sich als geeignet. Auch ein Makler konnte nicht weiterhelfen – in München stehen keine Hallen leer, die sich für den Probenbetrieb eignen.

An der Peripherie sähe es vielleicht besser aus. Aber das Orchester möchte im Zentrum bleiben. Die Gründe leuchten ein: Gäste aus anderen Münchner Orchestern, die regelmäßig die 26 fest angestellten Streicher ergänzen, sind schwer in die Pampa zu locken. Um seinen hohen Anteil an privater Förderung zu halten, braucht das Orchester einen Ort mit öffentlicher Wahrnehmung. Auch das Beispiel der Bremer Kammerphilharmonie schreckt: Hier sind zwei Angestellte allein damit beschäftigt, Proben an zwei Standorten zu organisieren.

Wunschheimat des Orchesters wäre das Amerika-Haus am Karolinenplatz in der Nähe des Kunstareals. Dessen Veranstaltungssaal wäre bestens geeignet für Schul- und Kammerkonzerte. Er ist vor allem beim Jazz-Publikum bestens eingeführt. Leider steht er nicht zur Verfügung, weil nach Willen des Freistaats eine Technik-Akademie im Amerikahaus einziehen soll.

Auch eine andere Idee wirkt bestechend: der Pavillon 21 Mini Opera Space der Staatsoper. Er stand zwei Jahre während der Festspiele am Marstallplatz und ist derzeit eingemottet, weil sein Aufbau kostspielig ist. Der Metall-Kristall der Wiener Architekten Coop Himmelblau könnte mit einem festen Unterbau hinter dem Haus der Kunst oder am Finanzgarten aufgestellt werden. Aber es scheint, als scheue vor allem das Kulturreferat eine zweite Konzertsaaldebatte.

Das Kammerorchester ist das kleinste und zugleich innovativste der vier Münchner Elite-Orchester. Es wird von Staat und Stadt mitfinanziert, spielt aber die Hälfte seines Etats selbst ein. Denn die Verbindung klassischer und zeitgenössischer Werke lockt das Publikum: Um 40 Prozent steigerte sich die Zahl der Abonnenten seit 2006.

Die erfolglose Suche nach einem neuen Probenraum hat beträchtliche Unruhe ins Orchester gebracht. Pessimisten sprechen sogar von einer existenzbedrohenden Situation. Das ist gewiss schwarz gemalt. Aber die Zeit droht dem Orchester davonzulaufen: Im Sommer müssen sie bei Siemens ausziehen.

 

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