Kulturpolitik Mehr Sachlichkeit wagen!

Vielleicht zeigen die Bayern den Hamburgern noch, wie man einen Konzertsaal sauberer finanziert als die Elbphilharmonie. Quelle: Unbekannt

Am kommenden Dienstag berät der Stadtrat über die Konzertsaal-Frage

 

Was haben der Konzertsaal, Stuttgart 21, Christian Wulff und die zweite Stammstrecke gemeinsam? Alles Themen, über die man ständig liest und zu denen jeder seinen Senf dazugibt, bei denen sich aber nicht wirklich was tut.

Da wir hier im Kulturteil sind, geht es wieder mal um den neuen Konzertsaal. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks will ihn seit einer Ewigkeit. Ministerpräsident Horst Seehofer hat ihn versprochen. Zwei Standorte sind im Gespräch: der Finanzgarten und ein Umbau des vergammelten Kongresssaals am Deutschen Museum. Im Sommer wird das Kabinett darüber beschließen.

Am Dienstag schon beschäftigt sich der Stadtrat mit einem Nebenaspekt: CSU-Stadträte um Richard Quaas und Marian Offman wollen die unter Verschluss gehaltene „Metrum”-Studie sehen. Die Beratungsfirma dieses Namens hat im Auftrag der städtischen Gasteig-GmbH die umstrittene Doppelbelegung durch das BR-Symphonieorchester und die Münchner Philharmoniker geprüft.

Und hier wurde seitens des Oberbürgermeisters bisher ein wenig gezinkt gekartelt: Christian Ude favorisiert eine Optimierung der Gasteig-Philharmonie für beide Orchester. Die Studie kommt allerdings zum Ergebnis, dass der Parallelbetrieb dort kaum möglich ist. Philharmoniker wie Rundfunker brauchen mehr Flexibilität, wenn sie herausragende Dirigenten gewinnen wollen. Um diese für die Argumentation des OB ungünstige Analyse aufzuhübschen, hat Metrum ein Modell „geteilter Vorrangwochen” drangehängt, das Kenner der Materie für Unfug halten. Dies wird wohl im Stadtrat zur Sprache kommen.

Natürlich ließe sich im Stil unseres OB populistisch poltern: Was wollt’s denn? Beide Orchester sind unter jetzigen Bedingungen Weltklasse, und den Herkulessaal gibts auch! Dagegen spricht einfach, dass wegen starker Nachfrage Luft nach oben ist: Die Rundfunker legen in der neuen Saison ein weiteres Abo auf. Auch bei bei den Philis wären mehr Konzerte im freien Verkauf zu füllen. Im übrigen wird der Gasteig auch von privaten Veranstaltern genutzt, die durchaus an der Ausweitung der Konzertsaal-Kapazitäten interessiert sind.

Vom Kulturausschuss sollte man keine Wunder erhoffen. Die Offenlegung der Studie könnte aber zu einer Versachlichung beitragen, ehe sich der Wahlkampf des Konzertsaals ganz bemächtigt. Aber auch die Befürworter eines Neubaus sind in der Pflicht. Die Musiker vom BR hoffen zu sehr auf den reichen Onkel aus Amerika. Ohne eine breite Bürgerbewegung wie bei der Pinakothek der Moderne wird die Isarphilharmonie kaum durchzusetzen sein.

Die wegen des nicht ganz abgezahlten Gasteig durchaus verständliche Strategie der Stadt ist es, einen Neubau zu verhindern und fremde Gelder in eine Renovierung des Kulturbunkers zu lenken. Die muss im Interesse der Philharmoniker auch kommen. Aber nur ein neuer Saal gäbe dem Musikleben Münchens jenen visionären Schwung, den es wegen der Qualität seiner Orchester dringend verdient.

 

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