Kulturpolitik Hans-Georg Küppers hört 2019 auf

Hans-Georg Küppers mit Winfried Nerdinger, dem Gründungschef des NS-Dokuzentrums. Foto: dpa

Hans-Georg Küppers hat sich entschieden: Er stellt sich in einem Jahr nicht mehr zur Wiederwahl als Kulturreferent

"Es gibt ein Leben nach der Arbeit“, sagt Hans-Georg Küppers. „Ich werde bald 65, war 20 Jahre im Kulturbereich tätig, davon 12 Jahre als Kulturreferent der Landeshauptstadt. Das ist ein kräftezehrender Job. Ich möchte mit meinen Kräften haushalten“.

Küppers hat nach eingehender Beratung mit seiner Familie und Freunden entschieden, sich in einem Jahr nicht mehr zur Wiederwahl stellen. „Ich hätte die Zusammenarbeit mit Hans-Georg Küppers gerne über 2019 hinaus fortgesetzt“, lässt OB Dieter Reiter aus dem Rathaus mitteilen. „Der gesamte Stadtrat schätzt die professionelle, pragmatische und moderierende Art des Kulturreferenten.“ Wenn der gebürtige Oberhausener 2019 aus dem Amt scheidet, liegen zwei sechsjährige Amtsperioden hinter ihm.

Er hat die Sanierung des Gasteig und den Neubau des Volkstheaters auf den Weg gebracht. Darüber hinaus war er für etwa 1500 kulturpolitische Stadtratsbeschlüsse verantwortlich. Und für unzählige Entscheidungen im Tagesgeschäft.
Was bleibt davon? Mit seiner chaotischen Vorgängerin Lydia Hartl verbindet man eine computergestützte Umgestaltung Münchens zur Medienkunst-Metropole, mit Julian Nida-Rümelin das Ende der Ära Dieter Dorn und dessen Bonmont vom „bestangezogenen Stück Seife“, mit Jürgen Kolbe den umstrittenen Ankauf von Joseph Beuys „Zeige deine Wunde“, die Gründung der Musiktheater-Biennale und eine gediegene sozialliberale Bildungsbürgerlichkeit.

Küppers neigt dazu, die Kultur zu verwalten und ihr stets Wachstum mit einer immer noch gut gefüllten Gießkanne zu befördern. Im Unterschied zu seinen Vorgängern brillierte er als Virtuose auf dem Klavier der Kommunalpolitik: Das Kulturbudget hat sich in seiner Amtszeit von 145 Millionen (2007) auf 210 Millionen erhöht. Davon entfällt ein Mehr von 25 Millionen auf den Bereich der Kulturförderung.

Mit der Gießkanne

Es ist unvermeidlich, dass da manches Unkraut sprießt und findigen Künstlern allerlei einfällt, was ihnen nicht einfallen würde, wenn es den warmen Regen für die Kunst im öffentlichen Raum nicht gäbe. Dass sich trotz viel Geld in der Freien Szene beim Tanz und den anderen performenden Sparten künstlerisch wenig tut, ist nicht die persönliche Verantwortung des Referenten. Es liegt aber an filzigen Strukturen und Jury-Netzwerken, die das Kulturreferat strukturell begünstigt.
Küppers gelang es, die unendliche Gründungsgeschichte des NS-Dokuzentrum mit dem Freistaat zu einem glücklichen Ende zu bringen. Als größten Erfolg nennt Küppers selbst die dezentrale Kulturarbeit durch die Förderung der Stadtteilkultur, die Öffnung neuer Stadtteilkulturzentren und die Stärkung der Münchner Volkshochschule. Wichtige Projekte, die für wenig Glamour sorgen, dafür aber Kultur zu den Menschen in der Stadt bringen.

Über diverse Personalentscheidungen des Kulturreferenten mag man geteilter Meinung sein – das liegt in der Natur der Sache. Das Lenbachhaus strahlt, dafür schnarcht das Stadtmuseum unter Isabell Fehle seinem immer wieder verschobenen Umbau entgegen. Die umstrittene Entscheidung für Valery Gergiev letztendlich kann sich noch als richtig herausstellen, wenn der Chefdirigent der Münchner Philharmoniker die Zeit während des Gasteig-Umbaus als Chance für eine Erneuerung begreift.

Auf das Gleis gesetzt

Die Berufung von Matthias Lilienthal an die Kammerspiele war nicht im Grundsatz falsch: Sie führte letztlich nur die Frank Baumbauer und Johan Simons begonnene Internationalisierung des Ensembles weiter. Dass es trotzdem schief ging, liegt mehr an Lilienthals Bockigkeit als an der grundsätzlichen Richtungsentscheidung, die mit der Personalie verbunden war.

Einen neuen Intendanten der Kammerspiele wird Küppers zusammen mit den Stadträten noch selbst auswählen. Sonst hinterlässt er seinem Nachfolger im wörtlichen Sinn eine Menge Baustellen: das Volkstheater, den Gasteig, das Stadtmuseum und das Kreativquartier. Das kam eine Menge zusammen, weil in der rotgrünen Spätphase der Ära Ude kaum mehr über die Zukunft nachgedacht wurde und vieles auf die lange Bank geschoben wurde – nicht nur in der Kultur, sondern vor allem auch in der Verkehrspolitik und beim Wohnungsbau.

Küppers hat viele Projekte in Fahrt gebracht. Sie haben alle, wie er selbst sagt, bereits „den Bahnhof verlassen“. Das ist, wie jeder Kunde der Deutschen Bahn weiß, leider keine Garantie für eine pünktliche Ankunft ohne Pannen und ungeplante Zwischenaufenthalte.
 

 

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