Kultur Vom nahen und fernen Zauber der Magie

Der Zwergen-Gott Bes schützt Schwangerschaft und Geburt. Foto: Ägyptisches Museum

Die Ausstellung „Isisblut und Steinbockhorn“ im Ägyptischen Museum in der Residenz am Hofgarten

 

Wer sich im Besitz der Wahrheit glaubt, erklärt alles andere zu „Zauber und Magie“. Aber weil Menschen an allen Orten und zu allen Zeiten sich dem Schicksal ausgeliefert fühlen, versuchen sie es zu beeinflussen. So liegen in den Residenz-Vitrinen neben ägyptischen Fruchtbarkeits-Amuletten auch welche aus dem Penisknochen eines Marders, oder eine Muskatnuss und ein Hirschkäfer-Geweih als Anhänger in Silber gefasst. Sie stammen nicht vom Nil, sondern aus den Alpen.

Denn der Titel der kleinen Ausstellung im Museum Ägyptischer Kunst heißt „Isisblut und Steinbockhorn“ und zeigt Ähnlichkleiten und Unterschiede von Zauber und Magie im Alltag der alt-ägyptischen Welt und unserem Kulturraum. Ausgespart wurde dabei aber alles Katholische, obwohl Heiligen-Kettenanhänger letztlich auch Amulette sind. Und in Ägypten goss man Wasser unter magischen Sprüchen über Horus-Stelen, um Heilwasser zu bekommen. Aber sind nicht zuhause aufgehängte Weihwasser-Fässchen dasselbe?

Kopfstützen mit Zaubersprüchen sollten in Ägypten böse Träume vertreiben, wie kleine Lampen Dämonen, in der ansonsten damals völlig unerleuchteten Nacht. Die Ausstellung reicht von Staatsmagie (symbolische Abwehr von Feinden) über Krankheits-Abwehr und Schutz in Schwächesituationen wie der Geburt. Für Letzteres sieht man auch ein handliches, stabil-gläsernes Wehenfläschchen mit winzigen Heiligenreliquien.

Adrian Prechtel

Bis 9.1., Residenz, Hofgarten, Mi–So bis 17 Uhr, Di bis 21 Uhr

 

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