Kultur Ulkerei mit Ukulele

Er klampft, sie singt – und das Duo L'uke freut sich über die bizarre Lächerlichkeit der Schlumpf-Gitarre. Foto: az

NÜRNBERG - Vier Saiten umrunden die Welt und sorgen für Schmunzel-Attacken – am Dienstag auch in Nürnberg, bei einem Konzert des Duos „L’uke“. Die AZ sprach mit einem Experten über die Schrumpfgitarre

 

Auf jeden Fall bringt mich das zum Lachen. Eigentlich die ganze Zeit“, sagt Daniel Adler. Der Grund für sein Dauerschmunzeln hat vier Saiten und sieht aus wie eine Gitarre für Schlümpfe: die Ukulele. Die wiederum ist auf dem besten Weg, ein internationales Hype-Instrument zu werden, eine weltweite Welle des Pling-Plongs ist losgetreten. Die Verkaufszahlen schnellen nach oben, das Ukulelen-Internetforum boomt und Konzerte sind ausverkauft. Um den bizarren Wahnsinn zu ergründen, sprach die AZ mit Adler, der am Dienstag mit seinem Ukulelen-Duo „L’uke“ in der ausverkauften Nürnberger Mata Hari Bar unter dem Titel „Ukulele Inferno“ auftritt. Zurecht: Denn fast jeder Gast bringt auf Initiative des Veranstalters eine eigene Kinder-Gitarre mit.

AZ: Klingt das nicht auch grausig, wenn 50 Ukulelen-Anfänger in einem Raum drauflos spielen?

DANIEL ADLER: Oh, ja, das tut es manchmal. Gerade wenn die Leute so billige Ukulele haben. Das spielen ist meist nicht das Problem, sondern die Qualität der Ukulelen. Denn die sind auch sehr schwer zu stimmen.

Woher kommt dann diese Faszination für die Ukulele? Dass sie leicht zu spielen ist?

Absolut – und man kann auf einer Ukulele jede Musikrichtung interpretieren. Und es ist sehr unterhaltsam und verbreitet immer ein Lächeln. Weil es nämlich immer lächerlich ausschaut. Die Leute, die Ukulele spielen und sich dabei richtig ernstnehmen, die haben was nicht verstanden. Wobei: Das ist eigentlich am lustigsten, weil das dann so unfreiwillig komisch ist.

Wann haben Sie denn angefangen, Ukulele zu spielen?

Bei mir war das tatsächlich ein Kinderspielzeug. Ich spiele seit meinem vierten Lebensjahr. Natürlich nicht ununterbrochen, geschlafen und gegessen habe ich auch – und zwischendrin außerdem Schlagzeug und Gitarre gelernt.

Warum gerade jetzt dieser Trend hin zu den vier Saiten?

Der ist ja nicht neu. Das Ukulele Orchestra of Great Britain gibt es schon seit über 20 Jahren. Und Stefan Raab hat schon vor 15 Jahren seine Rabigramme mit der Ukulele begleitet. Der jetzige Boom hat mit dem Internet und YouTube zu tun. Da kommt man mit solchen Ideen schnell groß raus. Und in der Zwischenzeit hat im Internet auch der Deutsche Ukulele-Club rund 2000 Mitglieder gewonnen.

Haben Sie bei all der Ukulelen-Ulkerei ein eigenes Konzept?

Wir spielen die Hits der 80er Jahre. Wichtig ist, dass die Songs unterhaltsam und bekannt sind und uns gefallen. Übrigens ist das Instrument ein prima „Bullshit-Detektor“: Lieder, die auf der Ukulele gut klingen, sind einfach gute Songs mit einer guten Melodie. Depeche Mode Songs sind beispielsweise leicht zu spielen, weil das sehr gute Kompositionen sind.

Sie haben aber vor L’uke auch schon Musik gemacht.

Ja, wir haben uns da jahrelang abgemüht. Aber seitdem wir zur Ukulele gegriffen haben, haben wir Erfolg und nette Leute buchen uns ganze Tourneen.

Und die Ukulele steckt an: In Nürnberg wird Ihr Konzert gar zum Gründungstreffen eines Ukulelen-Clubs.

Stimmt. In anderen Städten spielen wir meist reine Konzerte, aber in Nürnberg haben sich die Leute extra für diesen Anlass Ukulelen gekauft. Das ist was besonderes.

Geht Ihnen der Klang der Ukulele nach so einer Tour eigentlich auf die Nerven?

Noch nicht. Aber wir hoffen, dass das mal passiert. So eine Ukulele kann einen nämlich ganz schön vom Alltag ablenken. Interview: Martin Mai

 

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