Kultur Thriller und Märchen

Marek Gorsky, Sohn russisch-jüdischer Einwanderer, ist Polizist in der Direktion 6 der Berliner Polizei. Als Gorsky mit seinem Freund und Kollegen Sven Lottner vom LKA angefordert wird, um Sokolov, einen der Köpfe einer kriminellen Struktur in Berlin zu finden, holt ihn das Trauma seiner Kindheit wieder ein: Grischa, sein älterer Bruder, ist von einem kriminellen Rivalen erschossen worden, der Täter wurde nie gefasst. Die Jagd nach Sokolov wird für Gorsky zu einer Jagd nach dem Mörder seines Bruders. Eine Spur führt zu Mischa, Besitzer des Restaurants Odessa und Ehemann seiner Schwester Stella. Sokolov (Georgii Povolotskyi, l.) und Mischa (Misel Maticevic, r.), führende Köpfe einer kriminellen Struktur in Berlin. Foto: ARD/Julia von Vietinghoff

Autor Rolf Basedow hat jahrelang für „Im Angesicht des Verbrechens" recherchiert. Das Ergebnis sind zehn knallharte Folgen über die russische Mafia in Berlin

 

Versklavte Prostituierte, russische Killer, gierige Drogenbarone und korrupte Polizisten - es brodelt im Schmelztiegel Berlin. Die zehnteilige TV-Serie von Autor Rolf Basedow und Regisseur Dominik Graf ist ein gewagter und bildgewaltiger Blick auf die russische Mafia in der Hauptstadt. Auf der Berlinale wurde der zehnteilige Polizeithriller „Im Angesicht des Verbrechens“ mit Begeisterung gefeiert. Jetzt ist das Serien-Epos im Ersten zu sehen. Die ARD zeigt fünf Mal jeweils zwei Folgen hintereinander.

Im Mittelpunkt steht der junge Polizist Marek Gorsky (Max Riemelt), Sohn jüdisch-baltischer Einwanderer. Seine Schwester (Marie Bäumer) ist mit dem Russen Mischa verheiratet, der der Mafia angehört. Mit seinem Kollegen Sven (Ronald Zehrfeld) kämpft Marek gegen organisierte Kriminalität. Ein Kampf, der für ihn immer mehr zu einer Suche nach dem Mörder seines eigenen Bruders wird.

„Im Angesicht des Verbrechens" ist ein Mammutwerk geworden. Acht Millionen Euro haben die 500 Sendeminuten verschlungen. Die Produktionskosten sind explodiert, auch weil das Gewerbeaufsichtsamt nicht tolerierte, dass Regisseur Graf Tag und Nacht drehte. Zusätzliche Drehtage mussten her. Am Ende meldete die Produktionsfirma Typhoon Insolvenz an. „Jetzt weiß ich besser, auf was man bei solchen Monstern von Filmen achten muss, was man für bestimmte Budgets leisten kann und was eben nicht“, sagt Dominik Graf.

Knallhart

Wie dekadent, gewalttätig, aber auch sexy und vital Basedow und er sich das Milieu der Russenmafia vorstellen, deuteten sie schon in ihrem Film „Hotte im Paradies“ (2003) über einen Berliner Zuhälter an, den das Erste heute direkt nach der ersten Doppelfolge zeigt. Ihre Figuren – Mafiosi wie Polizisten – sind besessen vom Leben. Gut und Böse, Brutalität und Poesie, Liebe und Hass – all das liegt nah beieinander. „Im Angesicht des Verbrechens“ ist knallharter Thriller und schillerndes Märchen zugleich. Ein Märchen allerdings mit reellem Hintergrund. Autor Basedow hat jahrelang recherchiert. „Ich habe Gespräche mit Banditen und Polizisten geführt, Reisen in den Osten gemacht und mich umgesehen und -gehört. Ich war, soweit es ging, nahe bei den Menschen“, erzählt er.

Lange hat die ARD einen Sendeplatz gesucht. Seinem Serienpublikum am Dienstagabend traute man das Epos mit den drastischen Bildern, rasanten Szenenwechseln und viel russischem Originalton nicht zu.

Jetzt kommt es freitags direkt nach den Degeto-Schnulzen, wo sonst „Tatort“-Wiederholungen laufen. Programmdirektor Volker Herres spricht von einer „interessanten Bereicherung auf diesem Sendeplatz“. Er ist sich sicher: „‚Im Angesicht des Verbrechens' wird dort sein Publikum finden.“

Angelika Kahl

ARD, heute 21.45 Uhr

 

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