Kultur Spiel mit dem Feuer

„Der ganze Körper von Feuer erfüllt“: Die Sängerin Yasmin Levy rüstete in Spanien die Musik der sephardischen Juden mit Flamenco nach. Foto: az

NÜRNBERG/FÜRTH - Die israelische Sängerin, morgen Gast beim Fürther Klezmer-Festival, über die Lust, Ladino-Lieder mit Flamenco zu mischen

 

Als die Jerusalemer Sängerin Yasmin Levy das Licht der Welt erblickte, leitete ihr Vater Yitzhak Levy, dessen Erbe sie bis heute bewahrt, beim israelischen Staatsradio das Ressort für sephardische Musik. Zum Glück hat die großartige Interpretin der alten Lieder auf Ladino – der historischen Sprache der 1492 aus Spanien vertriebenen Juden – durchaus ihren eigenen Kopf. Wir sprachen mit der Künstlerin, die morgen bei einem (bereits ausverkauften) Konzert des Internationalen Klezmer-Festivals in Fürth ihr Album „Sentir" (deutsch: Fühlen) vorstellen wird.

Frau Levy, warum begannen Sie vor einigen Jahren in Spanien den Flamenco zu studieren?

YASMIN LEVY: Ausgelöst hat das vor allem, dass ich die Leidenschaft im Gesang der Ladino-Musik vermisste. Zwar werden diese Lieder mit sehr zärtlichem Gestus gesungen und mit viel Ehrfurcht, wie man sie althergebrachten Dingen auch entgegenbringt. Aber genau das wollte ich nicht so tun. Und so kommt die Flamenco-Musik ins Spiel, weil sie genau das Feuer hat, das dem Ladino fehlt.

Was passierte dann dort in Spanien?

Als ich nach Spanien kam, entdeckte ich eines Tages, dass meine Schule in der Nähe von „La Judería“, dem jüdischen Viertel war. Und da fand ich mich auch eines Tag auf der „calle Levy" wieder, der Levystraße.

Was hat Sie daran bewegt?

Plötzlich setzte sich meine Geschichte und die meiner Ahnen zusammen wie ein Puzzle, dessen Teile sich selbsttätig, quasi wie von alleine, zu einer Ordnung fügten. In diesem Moment sagte ich zu mir: ,Wow, da hat Gott seine Hand im Spiel, ich musste hier herkommen, damit Spanien mir seine Musik zeigt.’ Ich weinte vor Freude, so begeistert war ich, als ich dieses Erlebnis im jüdischen Viertel hatte – und von da an beschloss ich, Ladino und Flamenco zu mischen und erfand meine ganz eigene Weise Ladino zu singen, die die sephardischen Leute zunächst sehr befremdete.

Was ist für Sie das Besondere am Feuer – an der „pasión“ - des Flamenco?

Nun, der Flamenco erlaubt mir, wirklich ich selbst zu sein. Der ganze Körper singt. Es fühlt sich an, als ob der ganze Körper von einer Art Feuer erfüllt ist. Und für mich war das wie eine Erlösung, weil es mir einen Ausweg zeigte, die zerbrechliche, sanfte Ladino-Musik nicht vom Kopf her zu singen und zu begreifen, wie man es gewöhnlich tut, in der Art, wie es auch Opernsänger tun, sondern die Stimme vom Brustkorb aus zu erheben. Mag sein, dass andere diese Leidenschaft, die ich im Flamenco finde, woanders finden, ich finde sie vor allem dort. Denn im Flamenco singt der ganze Körper mit dem Kopf zusammen, in diesem Gesang ist vereint, was sonst getrennt ist.

Ihre neue Platte „Sentir" hat der Star-Produzent des Flamenco Nuevo, Javier Limón produziert: Wie war das Arbeiten mit ihm?

Es war das größte Erlebnis, das ich jemals hatte – und es war das erste Mal in meinem Leben, dass ich mich im Studio wirklich wohl fühlte. Obwohl ich Aufnahmestudios mit all ihren Computern und ihrer Elektronik eigentlich überhaupt nicht mag und normalerweise große Probleme habe, dort überhaupt kreativ zu sein, weil mir die Bühne und die Freiheit, die sie mir ermöglicht dort fehlt. Aber dieses Mal konnte ich dort abheben – denn Javier schuf eine Atmosphäre, die mich fliegen ließ. Interview: Spark

 

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