Kultur Soul aus tiefstem Herzen

Klaus Gassmann liebt den Bühnenauftritt. Foto: Produktion

Der ehemalige Manager Klaus Gassmann startet mit der Show „Sweet Soul Music“ ein neues Leben – nun gastiert er im Deutschen Theater

Sein Enthusiasmus ist ansteckend, seine Energie springt sofort über. Klaus Gassmann strahlt mit jeder Faser seines sehnigen Körpers aus, dass er kein Mann ist, der Träume auf die lange Bank schiebt. Der jugendlich wirkende 61-Jährige hat nach drei Jahrzehnten als Softwareentwickler und Manager bei SAP noch einmal ganz neu angefangen und auf eigene Rechnung eine Show kreiert, die seiner großen Liebe gewidmet ist: „Sweet Soul Music“ – die Highlights aus jenen Jahren, als die Temptations, Surpremes, Aretha Franklin oder Ike und Tina Turner Weltstars wurden.

Mit 20 Musikern, Tänzern und aufwändiger Lichtgestaltung erzählt die Show die Geschichte des Soul, moderiert von Ron Williams, der natürlich auch einen Musikpart übernimmt: seine Paraderolle als Ray Charles. Nach zwei Jahren Vorarbeit gab es im März vergangenen Jahres die umjubelte Premiere in der schwäbischen Heimat. Über 50 Shows später liegen Gassmann Anfragen aus der ganzen Welt vor – sogar aus den USA.

Der amerikanische Soldatensender AFN wurde Gassmanns musikalisches Erweckungserlebnis in den 60er Jahren. Er sah Auftritte von James Brown und Wilson Pickett in Deutschland: „Danach war alles klar“, sagt Gassmann heute. Er hängte seine Gitarre an die Wand, kaufte sich ein Saxofon und übte „wie ein Besessener“. Schon ein paar Monate später tourte er mit einer Soulband durch die amerikanischen Clubs. „Eine harte Schule“, sagt Gassmann rückblickend. „Wir als weiße Deutsche mit Soulmusic vor schwarzen GI’s.“ Nicht immer tobte das Casino vor Begeisterung, aber ein Soldat beruhigte Gassmann. „Solange die GI’s nicht den Saal verlassen, ist das ein Zeichen, dass es ihnen gefallen hat.“

Jam-Session mit dem Chef

Eine zweite Leidenschaft aber durchkreuzte die Musikkarriere des technikbegeisterten Schwaben, als Ende der 60er Jahre das Thema Datenverarbeitung aufkam. Mit seinen Gigs finanzierte er sein Studium und arbeitete hart und erfolgreich vier Jahrzehnte in der digitalen Boombranche. „Das war wie die Musik auch eine Herzensangelegenheit“, sagt Gassmann, der natürlich bei SAP die Betriebspartys organisierte und Firmengründer Hasso Plattner musikalisch ansteckte: Er musste ihm Gitarrenunterricht geben, bis der Chef endlich mitjammen konnte. „Der war ja so ehrgeizig, dass er bei den großen Auftritten in den USA vor seiner Rede mit der Gitarre raus ist und Stones-Riffs gespielt hat. Die Amis haben getobt, aber das wäre damals vor deutschen Bankern noch unmöglich gewesen.“

Im Job hat Gassmann viel gelernt für sein zweites Leben als Produzent. Auch „das alles Entscheidende für den Erfolg: Das Team muss passen.“ Er hat seine Künstler aus vielen Ländern zu einer „Familie“ zusammengeschweißt, auch die Zweitbesetzungen. Nur Ron Williams ist als charismatischer Frontman unverzichtbar.

Dass Gassmann, der Newcomer, anfangs belächelt wurde, stört ihn nicht. 14 Mal spielte er hintereinander im ausverkauften Stuttgarter Theaterhaus, in der Schweiz beim Open-Air am Zürcher See vor über zehntausend Menschen. Topact Manfred Mann verfolgte die „Sweet Soul Music“ vor der Bühne im Publikum und beglückwünschte Gassmann Backstage überschwänglich. „Ich war ein leidenschaftlicher Software-Entwickler, aber diese Erfolgserlebnisse bekommen man da nicht. Nicht so direkt. Das ist es, was es ausmacht“, sagt Gassmann.

Nun will er systematisch Europas große Städte erobern. Denn seine Show – das haben ihm viele bestätigt – ist in dieser Musiksparte völlig konkurrenzlos.

Volker Isfort

„Sweet Soul Music“ gastiert vom 9. bis 12. September im Deutschen Theater in Fröttmaning, Tickets 19 bis 44 Euro

Das Promotionvideo zur Show

 

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