Kultur Schicksalsschlag für die Filmfamilie

Ein Bild aus glücklichen Tagen: Joseph Vilsmaier mit seiner Frau Dana Vávrová und den gemeinsamen Töchtern Janina, Josefina und Theresa (von links) bei der Verleihung des Bayerischen Filmpreises im Prinzregententheater im Januar 2007. Foto: Rollitz

Joseph Vilsmaier trauert mit den drei Töchtern um seine Frau: Die Schauspielerin Dana Vávrová starb mit nur 41 Jahren in München. OB Ude kondoliert

Die schreckliche Nachricht aus München bestürzte die bayerischen Filmschaffenden auf der Berlinale: Dana Vávrová ist mit nur 41 Jahren an Krebs gestorben. Kameralegende Gernot Roll, der mit „Ein Stück Himmel“ Vávrovás Ruhm bei uns begründete und Agent Peter Reinholz konnten in der Stunde des Abschieds ihrem Freund und Vávrovás Ehemann Joseph Vilsmaier nicht beistehen.

Vilsmaier und sie wussten seit Jahresbeginn, dass es für ihr Leiden keine Heilungschancen mehr geben würde. Zum Bayerischen Filmpreis am 16. Januar im Cuvilliés-Theater war Vilsmaier schon mit seiner 22-jährigen Tochter Janina erschienen. Und auch die Erfolgs-Nachricht am Tag zuvor, dass Vilsmaiers „Brandner Kaspar“ die Millionen-Zuschauer-Marke geknackt hatte, war schon überschattet vom nahen Tod seiner Frau Dana. Eine geplante Sondervorführung zur Feier des Films in Berlin sagte Vilsmaier ab. Er blieb bei seiner Frau. Mittwochabend verbrachte sie noch einmal die letzten Stunden in Grünwald mit ihrer Familie, ehe sie nachts zurück ins Klinikum Großhadern gefahren wurde und dort starb.

Sie begann als Kinderstar

Es war 1982, als eine blonde 15-Jährige mit offenem Lachen und sprühenden braunen Augen die Goldene Kamera und gleich auch noch den Grimme-Preis abräumte: „Ein Stück Himmel“ hieß der TV-Straßenfeger, der in 10 Teilen die Geschichte des Warschauer jüdischen Mädchens Janina erzählte. Dana Vávrová war sofort zum deutschen Filmliebling geworden.

Aber an Ruhm war die junge Pragerin Dana Vávrová da bereits gewöhnt. Sie war ein Kinderstar im tschechisch-slowakischen Film. Und obwohl sie bei den Dreharbeiten bei der Bavaria bereits den Kameramann Joseph Vilsmaier kennengelernt hatte, blieb sie noch einige Zeit eine Grenzgängerin über den eisernen Vorhang hinweg zwischen Ost und West, und spielte in Prag noch bei Formans „Amadeus“ (1984) mit und in „Pan Tau“ (1987). Da hatte sie bereits 1986 den knapp 30 Jahre älteren Joseph Vilsmaier geheiratet.

Erfolgreich mit "Herbstmilch"

Es war auch ihr zu verdanken, dass gleich das Regiedebüt des Kameramanns 1988 zum Erfolg wurde: Vilsmaiers „Herbstmilch“ mit Dana als Anna Wimschneider, der Bestseller-Bäuerin, die ihre Jugendgeschichte erzählte. Auch im nächsten gemeinsamen Projekt „Rama Dama“ (am 11.2. um 21.45 im BFS) spielte Werner Stocker die männliche Hauptrolle. Vávrová und er wurden das Traumpaar des deutschen Films. Aber Stocker starb 1993 mit 38 Jahren an einem Gehirntumor.

Aus diesem Film erwuchs auch die Freundschaft zwischen den Vilsmaiers und Oberbürgermeister Ude, der jetzt zu Vilsmaier sagte: „Ich habe dich und Dana zu Beginn meiner Amtszeit als Bürgermeister kennengelernt, als ihr mit ,Rama dama’ ein Stück unserer Stadtgeschichte lebendig werden ließet. Wir saßen mit Trambahn-Schaffnerinnen, die diese Zeit miterlebt hatten, in meinem Amtszimmer und sprachen über die Authentizität filmischer Darstellung. Danas Charme ist mir so unvergesslich wie ihre anmutige, optimistische Ausstrahlung.“

Starke Gefühle

Dass die Ehe zwischen dem ruhigen, durchaus dickschädligen Vilsmaier und seiner vorantreibenden, extrovertierten Frau nicht immer glatt lief, war klar. Drei Jahre lang war Dana Vávrová mit den drei Töchtern ausgezogen. Sie kam zurück. „Glücklicher denn je“, wie beide sagten: „Wir haben gemerkt, dass unsere Gefühle für einander sehr stark sind.“

Bei der Produktion von „Schlafes Bruder“ (1995) lernte Vávrová Hubert von Goisern kennen, der die Filmmusik schrieb, und wagte ihr Regiedebüt mit dem Dokumentarfilm „Wia die Zeit vergeht“ über von Goisern. 1996 drehte sie den Spielfilm „Hunger – Sehnsucht nach Liebe“. Es folgte „Der Bär ist los“, in dem sie und ihre Kinder mitspielten. Gemeinsam mit ihrem Mann führte sie schließlich Regie für „Der letzte Zug“, über eine Todesfahrt nach Auschwitz. Der Film wurde auch zur Eröffnung des Jüdischen Zentrums am Jakobsplatz am 9. November 2006 gezeigt, und gewann den Bayerischen Filmpreis.

Immer wieder hat Dana Vávrová wichtige Rollen in Filmen ihres Mannes gespielt. Gemeinsam arbeiteten sie sich vor allem an der dunklen Seite der deutschen Geschichte und ihren Folgen ab, wie in „Rama dama“, „Stalingrad“, den „Comedian Harmonists“. Ihren letzten Auftritt hatte sie letztes Jahr im Geschichtsdrama um das 1945 versenkte Flüchtlingsschiff „Gustloff“.

Es ist auch dieses aufklärerische Engagement, das Dana Vávrová das Bundesverdienstkreuz eintrug und neben ihren Rollen in Erinnerung bleiben wird.

Adrian Prechtel

 

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