Kultur Schadenfreude über alles

Stellte die Berliner Quadriga in die Olympiahalle: Bei Mario Barth ist Dauer-Schnellsprech und Dauer-Action angesagt. Foto: Dorothee Falke

Mario Barth behauptet in der ausverkauften Olympiahalle „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“ – und alle jubeln ihm zu

 

Der Mann braucht gar nichts tun. Es reicht, dass er nach 20 Minuten Wartezeit auf die Bühne kommt. Dann lässt ein begeisterter Johl- und Pfeif-Orkan die Wände der ausverkauften Olympiahalle erzittern. Denn die 12000 Zuschauer wissen, was sie bei Mario Barth erwartet: Mit seinem dritten Solo „Männer sind peinlich, Frauen manchmal auch!“ setzt der Berliner Quassel-Comedian seine Erfolgsserie von „Männer sind Schweine, Frauen aber auch!“ und „Männer sind primitiv, aber glücklich!“ fort.

Mario Barth ist ein Popstar und so inszeniert er sich auch: Mit riesigen Gold-Initialen vor der Quadriga vom Brandenburger Tor und einer Berlin-Silhouette unterm Sternenhimmel. Zwei Leinwände übertragen jede Action überlebensgroß. Es geht wie immer ausschließlich um die Beziehungskiste, um die Verschiedenheit von Mann und Frau. Barth gibt seine überspitzten Alltagsstories als eigene Erlebnisse und sich somit als Star „wie du und ich“ aus. Der clevere Marktstratege bedient exakt die Erwartungen seines Zielpublikums zwischen 20 und 35 und bringt Mallorca-Urlaub, Baumarkt, Einparken oder Heimwerken auf den kleinsten gemeinsamen Nenner zum massenkompatiblen Wiedererkennen auf RTL-Niveau.

Seine Botschaft ist: Man darf Frauen nicht ernst nehmen!

In seinem Essay „Das Lachen“ sah der französische Philosoph Henri Bergson das Auslachen nicht als Bösartigkeit, sondern als nützliches soziales Instrument: Man lacht, wenn jemand in der Gruppe eine Situation nicht erkennt und nicht angemessen reagiert. Genau dieses nicht angemessene Reagieren führt Barth ständig am Beispiel seiner Freundin vor. Sie packt für 14 Tage Mallorca fünf Koffer und trägt den Rest übereinander am Körper. Sie kommt ins Schwitzen, weil der Flieger eine Kopilotin hat: „Sie weiß ja, wie sie Auto fährt.“ Sie ist nicht fähig, ihn in die Parklücke einzuweisen oder das richtige Benzin zu tanken. Und wenn beide beim Klitschko-Kampf in New York neben Bruce Willis sitzen und er Diskretion wahren will, macht sie sich aufdringlich unmöglich. Aber er liebt sie und betont perfide, dass sie eine „Studierte“ sei – das schürt Häme.

Über seine Stories schüttet sich Barth ständig selbst aus vor Lachen. Zwischenschritte, die man mitdenken muss wie bei Loriot, eine enttäuschte Erwartung, aus der Überraschung und Komik entstehen, gibt es nicht. Barths Botschaft lautet simpel: Männer, haltet die Klappe und lasst die Frauen machen. Man darf sie einfach nicht ernst nehmen! Warum lachen aber Frauen darüber genauso wie Männer? André Glucksmann sagt: „Gibt es Gelächter, so gibt es auch Dummheit.“ Der Philosoph Helmuth Plessner erkannte: „Wir lachen, wenn wir uns anderen gegenüber überlegen fühlen.“ Wie kalkuliert Barth mit dieser Schadenfreude spielt, zeigt sein Schluss-Hinweis an die Männer. Beim Rausgehen würden die Frauen garantiert sagen: „Ich bin ja nicht so.“

Gabriella Lorenz

 

0 Kommentare