Kultur Red House des Rock

Auch hier wurde Erbmasse produziert: Jimi Hendrix, dessen posthumes Werk nun um eine tatsächlich hörenswerte CD reicher ist. Foto: Archiv

Jimi Hendrix, der beste, größte, wahnsinnigste Gitarrist aller Zeiten, hat eine neue Platte gemacht. Doch stört es letztendlich ein kleines bisschen, dass er schon seit 40 Jahren tot ist

 

Es ist keine Überraschung, dass mal wieder eine „neue“ Platte von Jimi Hendrix auf den Markt kommt: Der Nachlass des 1970 mit nur 27 Jahren gestorbenen US-amerikanischen Mega-Gitarristen wurde und wird von seinen Erben so exzessiv ausgeschlachtet, dass man es eine Kulturschande nennen kann. Hendrix veröffentlichte zu seinen Lebzeiten vier LPs – mancher Fan hat heute aber schon mehr als 40 Hendrix-„Werke“ im Schrank stehen, und die Sammlung darf weiter wachsen, da jede verhunzte Rückkopplung feierlich editiert wird: Ein „Red House“ des Rock, also ein Stundenhotel mit Billigtarif.

Doch die heute veröffentlichte CD „Valleys Of Neptune“ lässt buchstäblich aufhorchen. Es wurden offenbar tatsächlich einige letzte Schätze aus den Tonarchiven geborgen, dann mit Hilfe von Hendrix-Toningenieuren von damals und digitaler Technik von heute überarbeitet – so dass das Etikett „unveröffentlichte Studioaufnahmen“ keine Hochstapelei zu sein scheint.

Aus der mittleren Periode

Die Tracks stammen aus Hendrix’ mittlerer Schaffensphase von ’67 bis ’69 und wurden überwiegend in der klassischen Besetzung mit Mitch Mitchell am Schlagzeug und Noel Redding am Bass eingespielt. Es geht los mit einer spektakulär neu zu hörenden Fassung von „Stone Free“: so klar, so nah, der Technik sei Dank! Darauf folgt der tatsächlich bislang weitgehend unbekannte, recht solide Titelsong, der wohl aus Archivfetzen aus verschiedenen Erdteilen zusammengebastelt wurde, aber jetzt als New Yorker Aufnahme verkauft wird.

Das Album brilliert mit einer schneidigen Version von Creams „Sunshine Of Your Love“, es dehnt sich bei einer zurückgenommenen, aber hörenswerten Aufnahme von „Red House“, es enttäuscht mit einem schwachen „Fire“ – auch wenn „Studio“ draufsteht, ist oft halt doch nur Jamsession drin. Die Platte gehört also unter Dutzenden von zweifelhaften Hendrix-Entdeckungen zu den besten. Das ändert aber nichts daran, das die Ware im „Red House“ immer älter wird.

Michael Grill

Jimi Hendrix: „Valleys Of Neptune“ (Columbia)

 

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