Kultur Papa, sei nicht so negativ!

Der Maler, Grantler, Filmemacher und Dramatiker Herbert Achternbusch Foto: Petra Schramek

Am Sonntag wird Herbert Achternbusch 70, aber kein bisschen altersmilde

In der Burgstraße wohnt er ganz oben. Die Wohnung ist ein riesiges Atelier, mit Wand-Malereien und Kritzeleien. Auf dem Schreibtisch liegen Schulhefte und Stifte – der Tochter Naomi für die Hausaufgaben. Denn Herbert Achternbusch will „nix mehr machen“, wie er brummt.

AZ: Herr Achternbusch, wie verbringen Sie Ihren Geburtstag am Sonntag?

HERBERT ACHTERNBUSCH: Ich verhungere.

Schlechter Witz.

Nein, mein Ernst. Jetzt haben sie meine Rente doch glatt erhöht, um zwei Euro auf 123 Euro. Mit geht’s da wie dem Valentin. Den ham’s auch verhungern lassen.

Aber Sie wohnen doch in einer schönen Wohnung.

Ja, die gehört der Stadt. Aber ich wohn’ hier nicht umsonst.

Womit verbringen Sie denn Ihre Zeit?

Mit Nichtstun. Meine Tochter ist da, die Naomi, die ist 15. Die wird mit mir am Sonntag-vormittag „Dick & Doof“- Filme anschauen. Sie steht ja mehr auf den Chaplin, aber ich mag die anderen lieber.

Und gehen Sie zu Ihrer Ehren-Feier in die Kammerspiele?

Nur weil meine Tochter gesagt hat, da müssen wir hin. Und so glänze ich durch Anwesenheit. Sagen muss ich ja nichts. Will ich auch nicht mehr.

Aber die Stadt behandelt Sie doch gut: Die Ausstellung in der Monacensia, jetzt Ihre Bilder in der Rathausgalerie...

Ja, ich bin ungerecht, ich weiß. Aber letztlich scheren die sich auch nur, wenn Geld oder Publikum da ist. Und mich kennen die ja nicht mehr und Geld hab’ ich auch keins.

Das klingt resignativ.

Ja, meine Tochter sagt auch immer: „Papa, sei nicht so negativ.“

Das hat sie wohl recht.

Ja, aber ich mag nicht mehr: Ich schreib’ nix mehr, mal’ nix mehr und filmen ist ja eh lang schon vorbei.

Aber schöpft ein Künstler nicht für seinen Nachruhm?

Keiner kauft mehr was und ich hab’ kein Publikum.

In der Rathausgalerie waren aber eine Menge Leute.

Ja, ich hab’ auch noch genug Bilder rumstehen für die nächsten 30 Jahre.

Dann sind Sie hundert.

Ist ja heute keine Kunst mehr, hundert zu werden. Sieht man ja am Heesters, dem alten Depp.

Sie sind ein Verweigerer. Aber viele Künstler sind auch erfolgreich, weil sie sich in den Medien gut in Szene setzten.

Sollen sie ruhig. Ich hasse das ganze Gequatsche. Wenn ich im Schneider sitze, im Tal, und meine zwei Bier trinke und und da setzt sich so ein Säufer dazu, dann sag ich: „Willst du deinen Schmarrn nicht woanders erzählen?“ Ich bin gern unter Leuten, aber isoliert.

Es sollte zum Geburtstag eine Biografie über Sie erscheinen. Aber Sie haben das hintertrieben.

Weil über mich doch schon so viel Schmarrn geschrieben wurde, es stimmt nix. Aber es stimmt, der Herr, der Franz Xaver Karl, der über mich schreiben wollte, ist ein netter Kerl.

„Das schöne Gefühl, Geld zu haben, ist nicht so intensiv, wie das Scheißgefühl, kein Geld zu haben“, haben Sie mal gesagt. Aber was würden Sie denn machen, wenn Sie viel Geld hätten?

Geld ist nur ein psychologischer Wert. Ich mein’ das ganz im Ernst. Man sieht’s ja jetzt in dieser Finanzkrise: 30 Milliarden oder 300 Milliarden – das spielt bei der Jongliererei keine Rolle mehr. Der Wert des Geldes ist Fiktion. Und wehe, wenn einige merken, dass da was nicht stimmt.

Was also würden Sie machen mit viel Geld?

Einen Teil würde ich versaufen. Das wär’ natürlich gefährlich. Denn dann heißt’s zum Schluss: „Schnaps war sein letztes Wort.“

Wer wird Ihnen gratulieren?

Niemand – meine Tochter. Aber für die muss ich noch ein Kleid kaufen. Drei Stunden waren wir in dieser grauenhaften Kaufhausluft im Beck und haben nichts gefunden.

Liegt das an Ihnen oder an ihr?

Weiß nicht. Ich habe Kaufhäuser schon als Kind gehasst, wo ich mit meiner Mutter immer in den Hertie musste. Später hab’ ich dann kapiert, warum mir da immer übel wurde, weil es in der Luft lag, dass das mal dem Hermann Tietz gehört hat, der dann zwangsarisiert wurde.

Gratuliert Ihnen der Sepp Bierbichler?

Ich hab mir den Film gerade angeschaut: „Im Winter ein Jahr!“ Der kann wenigstens spielen im Gegensatz zu dem Zischler oder der Harfouch, die immer grantig ausschaut.

Gratulieren Sie ihm zu seinem Film?

Niemals, das ist aus. Wir sind zerkriegt. Die Zeiten sind vorbei.

Das ist ja alles im Streit geendet, die Gemeinschaft in Ambach mit Herrn Bierbichler, seiner Schwester Annamirl und Ihnen. Und wenn er doch anruft?

Dann sag ich: Ruf’ dein eigenes Arschloch an und lass’ mich in Ruh’!

Adrian Prechtel

 

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