Kultur Papa ante portas

So vergnüglich war das Exil wohl nicht immer. Golo Mann während der 1940er Jahre in Kalifornien. Foto: Schweizerisches Literaturarchiv

Das Literaturhaus am Salvatorplatz erinnert in einer Ausstellung an den Historiker Golo Mann

 

Seine „Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts“ brachte es seit 1958 auf eine Auflage von einer Million. Die Biografie Wallensteins gilt als Meisterwerk erzählender Geschichtsschreibung. Das weniger bekannte Buch über den Napoleon-Gegner Friedrich von Gentz genießt unter Kennern höchstes Ansehen.

Golo Mann war mehr als ein Sohn des berühmten Thomas. Der 1909 als Angelus Gottfried Geborene suchte Distanz und löste sich doch nie. Als er sich zum ersten Mal in einen Mann verliebte, bat ihn sein der Jünglingsschönheit zugeneigter Vater um die Übersendung eines Porträts. Aus dem jungen Sozialisten wurde früh ein konservativer Gegner Hitlers. Er emigrierte und kehrte mit der US-Army zurück. Erst in den 1960er Jahren wuchs sein Ansehen als Redner und Kommentator. In linksliberalen Kreisen verspielte er viel von seinem Ruf, als er 1980 die Kanzlerkandidatur von Franz Josef Strauß unterstützte.

Ein Pfeifenraucher

Dieses bewegte Leben schildert die Ausstellung recht sinnlich. Mit dem Problem, dass von einem Schriftsteller nur Bücher, Briefe und Fotos bleiben, geht sie spielerisch um: Videos stecken in Archiv-Kartons, die harten Fakten der Schulzeit sind auf der Rückseite von Stehsammlern verzeichnet. Der Besucher wird auf die eher schwer genießbaren Zitate aus Golo Manns philosophischer Doktorarbeit neugierig, weil er dazu eigens eine Tafel herausziehen muss.

Ein Leitmotiv von Golo Manns Leben ist seine Unzufriedenheit. Sie mündete öfter in depressive Phasen, denen Golo dann doch wieder entkam. Die Dissertation wurde von Karl Jaspers eher mäßig benotet, eine Berufung nach Frankfurt wurde 1963 von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno mit Hinweisen auf seine Homosexualität hintertrieben. Im gleichen Jahr warf er gekränkt die Stuttgarter Professur hin. Er lebte lange im Haus seines Vaters in Kilchberg, traute sich aber erst im Spätherbst des Lebens, das alte Türschild durch seinen eigenen Namen zu ersetzen.

Das Zentrum der Ausstellung bildet, wie es sich für einen Literaten gehört, der Arbeitstisch mit einer mechanischen Adler-Schreibmaschine. Dort liegt auch das überraschendste Objekt: eine rustikale Pfeife, die der geneigte Betrachter eher dem Nachlass von Ludwig Thoma zurechnen würde.

Robert Braunmüller

Salvatorplatz 1, bis 5. 4., Di – Fr 11 – 19 Uhr, Sa, So, 10 – 18 Uhr

 

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