Kultur Osterfestival Tirol: Kultur wider die Sprachlosigkeit

Odissi, eine Form des südindischen Tanzes – interpretiert von Vera-Viktoria Szirmay. Foto: Medienraum

INNSBRUCK - Seit mehr als 20 Jahren zeigt die Galerie St. Barbara in Hall in Tirol mit dem Osterfestival, dass Kulturen und Religionen mehr Gemeinsames als Trennendes prägt. Ein Programmansatz, der Zuschauer weit über die Tiroler Grenzen hinaus anzieht.

Alleine aus Deutschland lockt das Osterfestival jedes Jahr zahlreiche Kulturinteressierte an: 15 Prozent der ingesamt 12.000 Besucher waren es etwa 2009.

Das diesjährige Osterfestival Tirol steht unter dem Motto „...sprachlos | Zeichen“ oder „16 Feiern für eine verstörte Welt“. Zwischen 20. März und 4. April werden Künstler aus verschiedenen Ländern mit Hilfe vielfältiger kultureller Ausdrucksformen Wege der Kommunikation aufzeigen. Film, Tanz, Performance, zeitgenössische Musik, Passion und der Dialog mit außereuropäischen Kulturen stehen auf dem Programm.

Bereits die Eröffnung ist außergewöhnlich, steht am Beginn doch Musik mit einem erloschenen Stern. Les Percussions de Strasbourg, sechs Schlagzeuger, interpretieren die Komposition „Le Noir de l'Étoile“ des Franzosen Gérard Grisey und treten dafür in Kontakt mit den noch immer eintreffenden Signalen eines längst vergangenen Pulsars.

Neue Musik interpretieren auch das ensemble recherche und der Ausnahmekünstler Gerhard Rühm, der zu seinem 80. Geburtstag gemeinsam mit seiner Frau Monika Lichtenfeld Sprachspiele und Chansons zu Gehör bringt. Auf die Tradition der österlichen Musik des Abendlandes beziehen sich Philippe Herreweghe mit Bachs Matthäuspassion und das italienische Vokalensemble „Odhecaton“ mit den Klagegesängen von Gesualdo und Komponisten unserer Zeit.

Eine neue Form der Auseinandersetzung mit Dokumentarfilmen zeigt das belgische Künstlerkollektiv Berlin. Es hat eine neue künstlerische Form kreiert, die des Video-Performance-Theaters: Die Leinwand wird zur Theaterbühne. Der Ort des Geschehens: die ehemalige Goldgräberstadt Bonanza in den USA. Die Protagonisten: die sieben letzten Bewohner.

Mit dem japanischen Nô-Theater, dem ältesten Maskentheater der Welt, und dem indischen Odissi-Tanz – interpretiert vom Ensemble Hosho Ryu und der bekannten Künstlerfamilie Mudgal – finden außereuropäische Kunstformen den Weg nach Tirol.

Einer der Tanzabende greift schließlich noch das Thema „Miteinander leben“ auf. „BurkaBondage“ lässt dabei auf beeindruckende Weise mitfühlen, wie zwei Frauen aus Japan und Afghanistan sich der Frage stellen: Wer dominiert? Wer lässt sich dominieren? Eine temporeiche Meditation über Bindung und Abhängigkeit.

 

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