Kultur Optimistischer Neubeginn

Optimistisch in die nächste Runde: Buchhändler Thomas Kistner und „Jakob“-Geschäftsleiterin Cornelia Schmidt vor dem Laden am Hefnersplatz. Foto: bayernpress

NÜRNBERG - Die Nürnberger Traditions-Buchhandlung Jakob am Hefnersplatz stand kurz vor dem Aus. Neuinhaber Thomas Kistner erklärt,wie er gegen die Handelsketten bestehen will.

 

Die Einladung zur Wiedereröffnung mit Feier ziert eine lesende Ratte. Das ist plakativ. Die Zeilen darunter sehen wie handgeschrieben aus. Das ist konservativ. Beides ist naheliegend, so wie die Wieder-Eröffnung der Traditions-Buchhandlung Jakob am Hefnersplatz. Thomas Kistner, Chef von Bücher Edelmann, zu dem „Korn & Berg“ am Hauptmarkt gehört sowie ein Bücherversand und eine Filiale in Fürth, hat das von der Schließung bedrohte Traditionshaus übernommen. Bleibt die Frage: Warum?

Denn Buchhandlungen sterben. Zwar werden in der Innenstadt von Nürnberg auf über 7000 Quadratmetern Bücher verkauft. Doch sind in den letzten zwanzig Jahren ebenso viele Buchhandlungen geschlossen worden. Geblieben sind drei große Filialisten – und nun die beiden unabhängigen Läden von Thomas Kistner. Erst vor einem Jahr hatte er seine Buchhandlung im Maximum schließen müssen. Was macht Mut für einen neuen Laden? „Die Lauflage“, sagt Kistner. „Das Maximum hat sich sehr schlecht entwickelt. Das sollte das Ende der Kulturmeile werden, gegenüber des Germanischen Nationalmuseums. Aber die Laufkundschaft ist ausgeblieben.“

Die soll es nun am Hefnersplatz im 1950 gegründeten Geschäft wieder geben. Kistners Vorbesitzer, Albrecht Jakob, der den den Laden in dritter Generation führte, scheiterte aber trotz Lauflage. Er wollte die Buchhandlung zum 31. Januar aufgeben, weil sie sich nicht mehr lohnte. Neueigentümer Kistner macht das keine Angst: „Wir haben viel Positives von den Stammkunden gehört. Die waren alle erleichtert, dass es weitergeht.“

Seine Lösung für den Konkurrenzkampf gegen verändertes Kaufverhalten, Internet und Ketten ist ebendiese Kundschaft. Die sei etwas älter – und konservativ. „Wir suchen uns Faktoren aus, die unsere Kunden so nicht im Internet finden. Also eine bessere, persönliche Beratung. Wir nehmen uns Zeit für den Kunden. Allein von der Titelauswahl können wir nicht mit dem Internet konkurrieren.“

Plakativ also das Feindbild: die Filiale, von denen zwei gleich schräg gegenüber residieren. Gegen sie wird das David-gegen-Goliath-Profil geschärft. Auch ein Netzwerk mit anderen inhabergeführten Innenstadt-Läden soll helfen: „Wir überlegen uns zum Beispiel eine Kooperation mit einer guten Weinhandlung. Außerdem sind wir gut mit der lokalen Szene verdrahtet“, erklärt Kistner. „Und wir wollen auf unsere Spezialgebiete wie zum Beispiel die Schulbücher, die Romane oder die Kinderbücher hinweisen.“

Neben den „klassischen“ Schwerpunkten von Bücher Jakob konzentriert sich Kistner auf Lifestyle-Produkte aus dem Bereich Inneneinrichtung. Im Internet soll zusätzlich der Anschluss an die Gegenwart stattfinden: Auf der neuen Homepage soll es Hör- und Online-Bücher zu kaufen geben. Damit die konservative Leseratte bei Bücher Jakob auch online zuschlagen kann — ohne Filiale. Martin Mai

 

0 Kommentare