Kultur Onette Colemans organisierte Unordnung

Der Jazzer Onette Coleman. Foto: dpa

Free Jazz ist nicht jedermanns Sache. Saxofonist Ornette Coleman ist der geistig-musikalische Vater dieser avantgardistischen Stilrichtung. Heute wird die Legende 80 Jahre alt

 

Viel Feind, viel Ehr: Wie jeder Revolutionär hatte auch Ornette Coleman, der heute seinen 80. Geburtstag feiert, lange mit (v)erbitterten Gegnern zu kämpfen. Der Mann aus dem texanischen Fort Worth, der sich mit einem Plastiksaxofon, eigenwilliger Intonation und einem etwas anderen Rhythmusempfinden bewaffnet aufmachte, „den Jazz zu befreien“, wurde als Scharlatan beschimpft, als Nestbeschmutzer. Doch schnell fand er selbst im konservativen Lager Förderer, John Lewis etwa, den Pianisten des Modern Jazz Quartet, der ihm einen Plattenvertrag bei Atlantic besorgte. Lewis: „Seit den Mitt-Vierziger-Innovationen eines Dizzy Gillespie, Charlie Parker und Thelonious Monk ist Ornette Coleman der einzige wirkliche Neuerer des Jazz.“

Der Autodidakt Coleman spielte zunächst in Marching Bands, schloss sich bald diversen R&B-Formationen an und beschäftigte sich, als er Ende der 50er nach L. A. ging, intensiv mit Harmonielehre. Schon in dieser Phase sagte er den Konventionen des Jazz den Kampf an und bereitete einen Umsturz vor, der viel Neues einleiten, aber auch die Verbindungen zu den Ursprüngen des Jazz nie ganz kappen wollte. Kollege Charles Mingus lobte die organisierte Unordnung in der Musik des Saxofonisten. Mit Alben wie „Free Jazz“ sorgte der für explosiven Diskussionsstoff.

Im Laufe eines mehr als ereignisreichen Lebens ließ sich der immer noch hochaktive Coleman bis heute nie von den Grenzen zwischen den Genres aufhalten. Er brachte sinfonische Werke („Skies Of America“) und Ballettmusiken zu Papier, schrieb für Streichquartette, experimentierte mit Musikern aus allen Bereichen. Und er schuf das sogenannte „Harmolodische System“, in dem er die Grundbausteine der Musik – Melodie, Harmonie, Rhythmus – in ein neues Verhältnis zueinander setzte. Der AZ erzählte er 1995: „Beim Improvisieren füllt man gewöhnlich eine Lücke aus, die bei den ,Harmolodics’ gar nicht erst entsteht, weil es um die Gleichheit aller musikalischen Elemente geht.“ Der Saxofonist Greg Osby sagte kürzlich in einem Interview: „Ohne Colemans Vision würden wir uns vielleicht immer noch an den Ketten der Tradition abarbeiten.“

Ssirus W. Pakzad

Das stilprägende Album „Free Jazz: A Collective Improvisation“ von 1960 gab dem Genre Free Jazz seinen Namen

 

0 Kommentare