Kultur Männer dringend gesucht!

Wölfische Liebe mit Hindernissen: Jakob (Taylor Lautner) kann auch in „Eclipse - Biss zum Abendrot“ nicht von Bella (Kristen Stewart) lassen.Foto: Concorde Foto: AP

„Eclipse“, der dritte Teil der „Twilight“-Reihe will eine neue Zielgruppe erreichen

 

Es ist stockfinster. Regen peitscht vom Himmel herab. Ein einsamer Junge erhöht das Schritttempo. In seinen Augen lodert die Angst. Die Furcht ist berechtigt. Wie aus dem Nichts taucht ein Schatten hinter ihm auf und schleudert den armen Burschen meterweit durch die Luft. Er berappelt sich, rennt verzweifelt zum Hafen, doch das Phantom der Nacht ist schneller und greift ihn erneut an. Ein Schrei. Schnitt.

Bella (Kristen Stewart) und Edward (Robert Pattinson) liegen turtelnd in einer Postkarten-Blumenwiese und diskutieren heiter über den Sinn- und Unsinn der Ehe.

Einen härteren Stilbruch als im Prolog von „Eclipse - Biss zum Abendrot“, dem dritten und bisher besten Teil der „Twilight“-Reihe gab es selten. Doch der gewagte neue Film-Sprung zwischen Horroraction und salbungsvollem Kitsch ist durchhaus gewollt.

Romanze unter Blutsaugern

An den Kinokassen bleibt hingegen alles beim alten. In Scharen rennen die Stephenie Meyer-Fans in die Teenie-Vampirromanze. Am ersten Tag spielte der in den USA mit einer Rekordkopienzahl gestartete Film 68,5 Millionen Dollar ein. Das zweitbeste Ergebnis in der Kinogeschichte. Nur „New Moon“ war mit 72,7 Millionen Dollar noch ein bisschen kassenträchtiger. Über das verlängerte Urlaubs-Wochenende machte „Eclipse“ sogar 161 Millionen – ein exzellentes Ergebnis, denn am Unabhängigkeitstag (4. 7.) meiden die Amerikaner in der Regel die Multiplexkinos. Im Ausland kamen trotz Sommerwetter und Fußball-WM noch einmal 100 Millionen dazu – dabei lief „Eclipse“ in wichtigen Märkten wie England, Frankreich und auch Deutschland (Kinostart ist der 15. Juli) noch gar nicht an.

Hinter dem „Twilight“-Phänomen steht der kleine Verleih Summit Entertainment. Mit aller Gewalt versucht man dort das monetäre Maximum aus dem einzigen „Franchise“-Produkt herauszuholen. Dafür wird nicht nur der letzte „Twilight“-Roman in zwei Filmteile zerlegt, man bemüht sich auch um eine neue Zielgruppe.

„New Moon“ hatte einen Frauenanteil von 80 Prozent, was im Klartext bedeutet, dass die männliche Käuferschicht - vom Liebesreigen abgeschreckt - zu Hause blieb. Flux wurde mit David Slade ein Horror-Profi verpflichtet. Und siehe da, „Eclipse“ punktet, auch dank einem auf 68 Millionen Dollar aufgestocktem Budget mit spektakulären Actionsequenzen und aufwendig arrangierten Rückblenden - ohne die Dreiecksromanze um Bella, Jacob und Edward zu vernachlässigen. Erste Zahlen bestätigen die Produzenten-Bemühungen: Der Frauenanteil schrumpfte auf „nur“ 65 Prozent.

Florian Koch

 

0 Kommentare