Kultur Götter am Plattenteller

Dilated-Peoples-Rapper Rakaa (li.) unterhält die Meute, DJ Babu (Mi.) kümmert sich um die Schätze aus seiner Plattenkiste. Foto: Frank Schuh

NÜRNBERG - Kopfnicken in der Nürnberger Desi mit Rakaa und DJ Babu von den Dilated Peoples

 

Die Welt ist eine Scheibe – und dreht sich solange um die eigene Achse, bis die Götter Blasen an den Fingern bekommen. Star des Abends ist gepresstes Vinyl, die Götter schuften im Hintergrund am Plattenspieler–Deus ex Machina! Zwei Drittel der Dilated Peoples, drei Mitglieder der DJ-Großfamilie Beat Junkies, 300 Gäste–die vom Veranstalter versprochene „HipHop-Bombe“ in der Nürnberger Desi zündete wie geplant.

Zwischen 1997 und 1999 hatten die Beat Junkies eine schwer zu erreichende Marke gesetzt in Stilsicherheit, technischer Finesse und Entertainment-Qualität. 2000 pflanzten Beat Junkie Babu und die MC’s Evidence und Rakaa mit dem Dilated Peoples-Debüt „The Platform“ einen Meilenstein, der bis heute Blaupause ist für intelligenten Sample-basierten Rap.

Nach Aufwärm-Cuts und -Scratches mit aktuellen Club-Hits verlegten sich die DJs Babu, Rhettmatic und J-Rocc in der Desi also schnell auf das, was sie am besten können: Irre DJ-Sets auf drei Plattentellern mit Mixes aus der goldenen Ära des HipHop, den Neunzigern. Dazwischen greift immer wieder Rakaa zum Mikrophon, performt Dilated-Peoples-Klassiker und Stücke seines Solo-Debüts „Crown of Thorns“.

300 Köpfe nicken im Takt, drei Stunden vergehen wie Minuten. Dann hören die Plattenteller auf, sich zu drehen: Die Götter müssen verrückt sein!

Steffen Windschall

 

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