Kultur Glasklarer Pop – und nur Hits

uckersüß sind die Nada Surf-Songs, aber weit entfernt von Kitsch. Daniel Lorca (Bass, l.) und Sänger Matthew Caws wissen, wie’s geht. Foto: Sven Grundmann

Nürnberg - Das New Yorker Trio Nada Surf verzückt den rappelvollen Hirsch mit einem „Best-Of“

 

Ist das nun Stillstand oder Konsequenz? Dass eine Band sich dem glasklaren Pop so sehr verschrieben hat, dass jedes ihrer Alben eben genauso klingt, wie es klingen würde, wenn man die besten Momente der Beatles, der Stones und Brian Wilson nimmt – und zu einem völlig in Melodie aufgehenden Moment vereinigt. Wenn also diese Band namens Nada Surf sich nicht mehr von ihrem Sound verabschieden kann und will – und dann auch noch Lieder anderer Künstler so interpretiert? Es ist: egal. Auch ohne neues eigenes Album („If I had a HiFi“, die Tour-Titelgebende Platte, enthält nur Cover-Versionen), ist der Auftritt im rappelvollen Hirsch ein glücklichmachendes Erlebnis, ein Best-Of der Band- und Pop-Geschichte.

Selbst Depeche Modes „Enjoy the Silence“ wird von den Groß-Melodikern auf Tempo gebürstet – und funktioniert so gut, dass man sich wundert, ob das nicht schon immer ein Song von Nada Surf war. Der spezielle Klang des New Yorker Trios ergibt sich bei exzellentem Live-Sound nicht nur aus Matthew Caws unverwechselbarer Stimme oder aus der im Grunde wenig spannenden Standard-Instrumentierung aus Gitarre, Bass und Schlagzeug (live ergänzt durch den Calexico-Multi-Instrumentalisten Martin Wenk).

Sondern vor allem aus dem höchst virtuosen Hineinfühlen in jede Melodie und Harmonie, durch das mehrstimmige Ausgestalten jedes Akkords, aus akribischer Arbeit an noch so kleinen rhythmischen Finessen – und dem Händchen für eine überwältigende Harmonieführung. Und Nada Surf haben einfach verstanden, dass ein guter Pop-Song gerne zuckersüß sein darf und dabei doch nicht kitschig klingen muss. Was man auch hört, im glücklich tanzenden Hirsch, sind Hits: Egal ob das bissige „Popular“ aus dem Jahr 1996, das nachdenkliche „See these Bones“ des letzten Albums „Lucky“ oder die fantastischen Stücke von „The Weight is a Gift“ (2005), allen voran „Always Love“. Am Ende, nach weit über 90 Minuten ist jedes Nachdenken über kreativen Stillstand hinfällig. Was bleibt ist – Musik. mm

 

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