Kultur Ein Hauch von Freiheit

Der Theatron Musiksommer: Hunderte Freiluft-Fans sitzen im Amphitheater und lauschen den Klängen auf der Seebühne im Olympiapark. Foto: Petra Schramek

Festival-Atmosphäre im Olympiapark: Jeden Abend spielen Bands zum Nulltarif auf der Seebühne – und hunderte Freiluft-Fans picknicken, chillen und lauschen

 

Feierabend – Ferienstimmung liegt in der Luft – und ein Hauch von Freiheit. Picknicken, mit der Freundin kuscheln, eine Zigarre rauchen: Beim Theatron Musiksommer im Olympiapark ist (fast) alles erlaubt – auch musikalisch. Ob nun Reggae, Hardrock, Jazz oder HipHop – wem’s gefällt, der bleibt, ansonsten zieht man weiter. Schließlich gibt’s die Konzerte – jeden Abend zwischen zwei und vier – zum Nulltarif. Bei Musik für lau lässt man sich gerne überraschen und auch mal auf ungewohnte Klänge ein.

Jedes Jahr zieht das Open Air Festival – je nach Wetter – rund 100000 Besucher an. Schüttete es Freitag noch aus allen Kübeln – mit einer Handvoll hartgesottener Theatron-Fans unterm Regenschirm – haben Musiker und Zuschauer am Samstag Glück. Mit Temperaturen um die 15 Grad ist es etwas frisch, aber immerhin: Es regnet nicht, die Sonne scheint. Hunderte sitzen auf den Stufen des Amphitheaters, mit Blick ins Grüne und auf den See. Mit Schlagzeug, Gitarren und Gesang geben die Bands – viele sind aus München – auf den rund 20 Metern der Seebühne vollen Einsatz. 63 Konzerte 25 Tage lang. Mal wird’s laut und krachig, mal ruhig und auch melancholisch.

Picknicken und ratschen

Abends um halb acht ist es voll bis zur letzten Stufe. Nur direkt vor der Bühne ist noch Platz. Nach dem Motto „Früh übt sich“ tobt und tanzt sich da der dreijährige Theatron-Nachwuchs im Nirvana-Shirt müde.

Jugendliche ziehen an der Shisha-Pfeife, Jungfamilien in ihren 30ern halten in der einen Hand das Bier, in der anderen die Nuckelflasche. Kulturinteressierte lauschen bedächtig, vereinzelte Alt-68er wippen barfuß im Takt. Die Dear- Henry-Bliss-Sängerin bedankt sich nach ihrem letzten Song, dass alle so schön zugehört haben.

Verena hat es sich mit ihren drei Freundinnen auf der grünen Wiese gemütlich gemacht. Sie ist jetzt schon den dritten Abend hintereinander hier. „Man kann vor lauschiger Kulisse picknicken und ratschen“, so die 28-Jährige, „und bekommt noch gratis Festivalatmosphäre dazu.“ Das gefällt ihr.

Echte Theatroner wie Verena sind natürlich bestens vorbereitet, haben eine Wolldecke mitgebracht oder ein Sitzkissen. Auf den Betonstufen des Amphitheaters wird’s dem Popo sonst schnell zu kalt.

Maja (33) und Kai (36) sitzen mit einer ganzen Fangemeinde im großen Rund, warten auf die Band The Tall, The Middle, The Little. Auch sie haben vorgesorgt. Sohn Nils – sein erster Theatron – ist eineinhalb Jahre alt und hat quietschgelbe Lärmschutzhörer auf. Die haben Maja und Kai eigentlich für Hochzeitsfeiern gekauft – „aber hier kann es ja auch nicht schaden“. Es wird wohl keine zehn Jahre mehr dauern, bis sich Nils die Hörer in Stöpselform ins Ohr drückt – und es gar nicht laut genug werden darf!

Die Sonne ist mittlerweile untergegangen. Beim dritten und letzten Konzert ist es so dunkel, dass nur noch die Bühne in lila-gelben Farben leuchtet – und die Glimmstängel im Amphitheater. Psychedelische Klänge der experimentierfreudigen Gruppe Rip van Winkle läuten das Ende des Abends ein.

Sylvia Petersen

Noch bis zum 22. August treten im Olympiapark Bands auf. Heute spielen um 19 Uhr Liza23 und um 20.30 Uhr die Killerpilze

 

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