Kultur Die Oscar-Verleihung: Höhenflug für Waltz und Bigelow

"Waltzer-Tanz" mit dem Oscar: der Wiener Schauspieler Christoph Waltz Foto: AP

Niemand hatte an dem Siegeszug des „Inglourious Basterds“-Stars wirklich gezweifelt, nur Christoph Waltz selbst wollte dies bis zuletzt nicht wahrhaben.

 

Christoph Waltz musste nicht lange warten.Gleich zu Beginn der Oscar-Gala – als erster Preisempfänger – krönteHollywoods Filmakademie den Österreicher zum besten Nebendarstellerdes Jahres. Niemand hatte an dem Siegeszug des „InglouriousBasterds“-Stars wirklich gezweifelt, nur er selbst wollte dies biszuletzt nicht wahrhaben. Die Gewinnprognosen habe er sich „sehrerfolgreich vom Leib gehalten“, verriet der Oscar-Gewinner – mit demGoldjungen in der Hand – hinter der Bühne. Als seine Name fiel, warer ganz schockiert. „Und ich bin es vielleicht immer noch, also wennich blödes Zeug rede, vergeben Sie mir“, entschuldigte er sichvorsichtshalber bei den Reportern.

Das war es dann auch für Deutschland und Österreich, nach derKrönung von Waltz zu Hollywoods neuem „Euro-Star“. Für den nachPreisen in Cannes und bei den Golden Globes erfolgsverwöhnten MichaelHaneke und sein Team von dem Schwarz-Weiß-Drama „Das weiße Band“platzten die Oscar-Hoffnungen. Auch der österreichische KameramannChristian Berger, der die hypnotischen Bilder für denVorkriegsthriller eingefangen hatte, musste sich mit seinerNominierung trösten. Der deutsche Star-Komponist Hans Zimmer – zumachten Mal für einen Oscar nominiert – konnte mit der Filmmusik für„Sherlock Holmes“ in diesen Jahr nichts gewinnen. „Er habe diesmalkeine Chancen“, sagte er vorab ganz gelassen auf dem Roten Teppich.Dort versicherten auch Haneke und seine Frau Susie, dass es schönwar, dabei zu sein, auch wenn sie nichts gewinnen würden.

Wie gut, dass Hollywoods durchtrainierte Powerfrau Kathryn Bigelowstarke Arme hat. Gleich zwei Oscar-Statuen – zusammen immerhin achtKilogramm schwer – stemmte die Regisseurin auf der Bühne. Ihr Action-Kriegsdrama „The Hurt Locker“ war mit sechs Preisen, darunter in derKönigskategorie „Bester Film“, der Oscar-Abräumer. „Ich hoffe, ichbin die Erste von vielen“, strahlte Bigelow über ihrengeschichtsträchtigen Sieg. Als erste Frau in 82 Jahren Oscar-Businesskonnte sie die männliche Konkurrenz in die Knie zwingen, darunterauch ihren Ex-Ehemann, „Avatar“-Regisseur James Cameron.

Diese Fragen konnten sich die Reporter Backstage nicht verkneifen,was es für sie bedeutet, Cameron geschlagen zu haben? „Nun, gleichvorneweg, ich denke, er ist wirklich ein außergewöhnlicherFilmemacher“, lenkte Cameron diplomatisch ein. Aber was würden Sieihm sagen?, ließen die Journalisten nicht locker. „Nun, dasverschlägt mir echt die Sprache“, sagte die Oscar-Gewinneringrinsend, mehr nicht. Auch Cameron, der mit neun Nominierungen in dasRennen um die Trophäen gezogen war, dürfte sprachlos sein. „Avatar“,der teuerste und zugleich erfolgreichste Film aller Zeiten, wurde mitdrei Oscars abgespeist, darunter für Kamera und Spezialeffekte.

Auf der Bühne hielt Jeff Bridges den ersten Oscar in seiner langenFilmkarriere stolz in die Luft. Hinter den Kulissen trat der „CrazyHeart“-Star dann mit einem Glas Champagner in der einen und demGoldjungen in der anderen Hand vor die Presse. Nun sei er zwar zumbesten Schauspieler gekürt worden, doch er wolle vor allem mehr Musikmachen, verriet der Schauspieler über seine zweite großeLeidenschaft.

Komödienstar Sandra Bullock hat ihren ersten Oscar dem Sozialdrama„The Blind Side“ zu verdanken, in dem sie eine Mutter aus derOberschicht spielt, die einen schwarzen Jungen in ihre Familieaufnimmt. Zu Tränen gerührt dankte Bullock auf der Weltbühne ihrerverstorbenen deutschen Mutter. Backstage schickte sie Grüße an ihreVerwandtschaft in Deutschland: „Ich liebe euch, ich vermisse euch,und ich sehe euch ganz bald. Gute Nacht, geht ins Bett, schlaft gut“,sagte die Oscar-Gewinnerin in fast perfektem Deutsch.

Sie wolle den Oscar und ihre „Goldene Himbeere“ gleichnebeneinander ins Regal stellen, „den Razzie vielleicht ein kleinesbisschen tiefer“, witzelte Bullock über den Schmähpreis alsschlechteste Schauspielerin, den sie am Vortag für den Leinwandflopp„Verrückt nach Steve“ persönlich in Empfang genommen hatte. Damitwerde ihr der Erfolg bestimmt nicht zu Kopf steigen.

Doch zunächst hatte Bullock ganz andere Sorgen. „Ich möchte jetztnur einen Burger und etwas zu essen“, sagte die Schauspielerin.Stärkung für die vielen Partys, die die Nacht der Nächte krönensollten. Auch Waltz wollte feiern. „Ich lass mich treiben“, sagte erversonnen, mit dem Oscar in der Hand. Die Erfahrung der letztenMonate sei „schwindelerregend“ gewesen. „Es war einfach fantastisch.Morgen wird es mir vielleicht leidtun, dass es vorbei ist.“

dpa

 

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