Kultur Der Heldentenor - Peter Hofmann ist tot

Peter Hofmann Foto: dpa

WUNSIEDEL - Vom Zehnkämpfer nach Bayreuth und zum Musical: Der an Parkinson erkrankte Peter Hofmann erlag am Dienstag einer Lungenentzündung

 

Nie zuvor gab es einen so blendend aussehenden Siegmund. Die Todverkündigung, in der ihm Brünnhilde ein Leichentuch um den nackten Oberkörper wickelt, gehört zu den unvergesslichen Szenen aus Patrice Chéreaus Inszenierung von 1976 zum 100-jährigen Jubiläum der Uraufführung von Wagners „Ring des Nibelungen“ im Bayreuther Festspielhaus.

Der blondgelockte Peter Hofmann war der Inbegriff eines Heldentenors. In seinem ersten Festspieljahr trug er sich 32-jährig auch als jüngster Parsifal in die Geschichte des Grünen Hügels ein. Später sang er dort auch noch den Lohengrin und Stolzing in „Die Meistersinger von Nürnberg“.

Der zuletzt zurückgezogen in der Nähe von Bayreuth mit seiner dritten Frau Sabine und der 2003 geborenen Tochter Laura lebende Hofmann verstarb in der Nacht zum Dienstag im Alter von 66 Jahren im Krankenhaus von Selb. Der Künstler erlag nicht seiner langjährigen Parkinson-Erkrankung, sondern den Folgen einer Lungenentzündung.

„Ich denke, es war eine Erlösung für ihn“, sagte Fritz Hofmann mit Hinblick auf die 2008 bekannt bewordene Demenz seines Bruder. Er konnte kaum noch sprechen, nicht selbstständig essen und war an den Rollstuhl gebunden. Jahrelang unterstützte er die Wissenschaft mit seinem „Peter Hofmann Parkinson Forschungsprojekt“.

Wie kaum ein anderer Sänger wagte der 1944 in Marienbad Geborene den Spagat zwischen Klassik und Pop. Als Schüler sang er mit 16 Jahren in einer Band und wurde zugleich hessischer Jugendmeister im Stabhochsprung und Zehnkampf. Später verpflichtete er sich bei der Bundeswehr und finanzierte sich mit der Abfindung als Stabsunteroffizier ein Gesangsstudium.

Hofmann debütierte 1972 als Tamino in Lübeck. Wagners Helden und der konzertante „Tristan“ von 1981 in München unter Leonard Bernstein forderten bald ihren Tribut. 1982 startete Hofmann mit „Rock classics“ seine zweite Karriere als einfühlsamer Popsänger. Als Schauspieler wirkte er 1984 an der Seite von Richard Burton als Tristan-Sänger in der TV-Serie „Wagner“ mit, 13 Jahre später als Old Firehand bei den Bad Segeberger Karl-May-Festspielen. 1990 begeisterte Hofmann in rund 300 Vorstellungen als „Phantom der Oper“ in Hamburg, ehe er sich 1999 zu seinem Parkinson bekannte.

„Diese Krankheit passt nicht zu mir. Sie passt zu niemandem! Sie stört und zerstört. Sie setzt immer engere Grenzen und fordert heraus!“, schrieb er auf seiner Homepage. Er wollte sein Schicksal mit anderen Menschen teilen und ihnen Mut und Zuversicht geben. Das ist ihm lange gelungen.

Robert Braunmüller

 

0 Kommentare