Kultur Der Blues ist ein Bayer

Sound of Thunder und sein singendes Holz: Willy Michl auf der Bühne. Foto: Matopa Kunst & Musik GmbH München

Mit „Isarflimmern“ hat er München seine Hymne geschrieben: Heute feiert der Indianer Willy Michl seinen 60. Geburtstag

 

Der rote Mann mit Adlerfedern singt das Lied der Isar. Heute wird Willy Michl 60. Und einen besonderen Geburtstagswunsch hat er auch. Die Währung sollte um einen 1000-Euro-Schein bereichert werden. Der trägt natürlich das Konterfei des Isarindaners.

AZ: Sie feiern Ihren Geburtstag schon seit längerer Zeit.

WILLY MICHL: Ich lasse mich nicht auf einen Tag Freude reduzieren. Der Tag, an dem man geboren ist, ist ein besonderer, aber ich feiere die Sommer und Winter. Und ich bin meiner Mutter dankbar, meinen Großeltern und Urgroßeltern – das sind 16 Leute.

Die feiern mit?

Das sind meine Ahnen und die kommen da.

Die begleiten Sie auch bei Ihren Konzerten?

Selbstverständlich. Und es sind die Spirits meiner Brüder dabei – die schon gegangen sind und die noch leben. Die spüre ich hinten im Saal.

Woher kommt Ihr Indianername „Sound of Thunder“?

Den habe ich von Peter Schneider bekommen, einem Gitarrenspieler, mit dem ich acht Jahre on the road war. Wir waren in Aschaffenburg. Ich hatte geträumt, dass er Singendes Holz heißt. Ich sagte: Dein Name ist Singendes Holz. Und er sagte: Dein Name ist Donnerschall.

Und warum nennt Ihre Frau Cora Sie Corado?

Das war in der Zeit, als Cora damals als Domina gewirkt hat. Ich wollte meinen Willy-Michl-Namen nicht da drin haben. Meine Frau heißt Cora, und Do heißt auf Japanisch der Weg. Deswegen hieß ich Cora-Do, derjenige, welcher den Weg der Cora geht.

Stört Sie die ewige Rechtfertigung für das Indianer-Sein?

Im Gegenteil. Ich mache das nicht, um etwas vorzutäuschen, was ich nicht bin. In meiner Spiritualität bin ich einem indigenen Menschen auf jeden Fall gleichzusetzen. Ich habe ja nie gesagt, ich sei in Lakota oder so. Ich bin ein Bayer und ich bin ein Isarindianer. Im Alter von zwei Monaten bin ich von meiner Oma an der Mariannenbrücke in der Isar gebadet worden.

Sie lieben München.

München ist die schönste Stadt der Welt. Aber weil es meine Heimatstadt ist, möchte ich, dass vieles anders ist. Ich möchte, dass die Marienklause in dieser Form abgebaut wird. Die entstehende Wasserwalze führt dazu, dass da Leute ertrinken.

Sie haben Geld für die Familie des Vaters gesammelt, der in der Isar ertrunken ist.

Das mache ich weiter. Ich bin der Isarindianer, und ich kann diesen Fluss verstehen. Und der Fluss wünscht, dass wir dieser Frau helfen. Die Isar musste das Leben nehmen, auch wenn sie es nicht wollte. Denn die Wasserwalze ist von den Menschen verursacht.

Ihr Blues ist bayrisch.

Ende der 60er, Anfang der 70er habe ich nur englisch gesungen. Leute wie Joe Kienemann haben gesagt: Wos wuist denn du do Englisch singa? Das können die Amerikaner besser. Du musst Deutsch singen. Aber ich konnte ja gar nicht Hochdeutsch – also musste ich Bayerisch singen.

Sie sind schon lange von Plattenfirmen unabhängig.

Ich habe damals gesehen, was die mit den Künstlern machen. Man hat die Künstler auch in Deutschland hochgenommen und fallen lassen wie einen nassen Lappen. Die Herzlosigkeit und Oberflächlichkeit, die ich da erlebt habe, ist mir gegen den Strich gegangen.

Christian Jooß

Willy Michl spielt am 22. Juli 2010 im Lustspielhaus, Tel. 34 49 74

 

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