Kultur Deliriöse Damen lieben frühe Italiener

Der Countertenor David Daniels. Foto: Robert Recker

Countertenor David Daniels begeistert bei seinem Liederabend im Prinzregententheater

 

Vor der dritten Zugabe schnaufte David Daniels erst mal durch. Gut hörbar, aber mit einem Blick, den nur charming boys draufhaben. Einige Damen lächelten längst deliriös vor sich hin, und nicht nur die. Dabei hatte der Staatsopern-Ex-Dauer-Counter nicht nur leicht goutierbare Häppchen gestreut. Und nebenbei ein vogelwildes Menü serviert, das beim ersten Blick ratlos machen musste: Von Brahms ging’s direttamente in die Kinderzeit der Oper, dann über spätimpressionistische Ausläufer in Paris zurück zum italienischen Händel und schließlich ins fein konservative Elgar-England.

Was erstaunlich gut funktionierte. Nur über die Brahms-Anwandlungen würde man gerne den Mantel des Schweigens breiten, das „Rosenmund-Mädel“ ist ja schon für tiefere Männerstimmen nicht ganz unproblematisch. Und sicher, auch im „Ständchen“ landeten überraschende Farben, aber im Grunde klang’s doch nach ungewollter Persiflage.

Keiner leidet schöner

Dafür kam Daniels gleich im Anschluss nach Hause, die frühen Italiener liegen ihm bestens in der Kehle. Giulio Caccinis „Amarilli, mia bella“ hört man nicht gefühlvoller, und kaum einer leidet schöner in diesem frühbarocken Liebeswahn. Natürlich musste der Flügel hier irritieren, da konnte der hochsensible Martin Katz noch so cembalesk am Steinway werkeln.

Auch Händel war so ein Heimspiel. Daniels begann das „Cara sposa“ aus dem „Rinaldo“ mit aschfahlen, müden Tönen, um sich schließlich subtil, doch um so wirkungsvoller zu steigern – bis zum „Radamisto“-Temperamentsstückerl „Perfido!“. Was dennoch aufregender gelang, waren die zart parfümierten Lieder des Massenet-Schülers Reynaldo Hahn („A Chloris“). Und mit einem Ausflug zu den Insel-Käuzen Vaughan Williams, Roger Quilter oder Gerald Finzi wurde wieder mal klar, dass das typische Liederabend-Repertoire nach Ausdehnung schreit.

Christa Sigg

 

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