Kultur Beschwörungen ohne Nervosität

Der 1942 in Mailand geborene Pianist Maurizio Pollini nach seinem Konzert im Salzburger Großen Festspielhaus. Foto: AP

Christian Thielemann und Maurizio Pollini mit Beethoven und Mozart in der Philharmonie

 

Nach der „Eroica“ gab es ein kräftiges, unüberhörbares Buh. Wer den neusachlich-forschen Beethoven im Stil der historischen Aufführungspraxis liebt, hat an Christian Thielemanns Deutung gewiss kaum Freude. Auch über sein mehr blockierend als schöpferisch gelebtes Amtsverständnis des städtischen Generalmusikdirektor lässt sich in den verbleibenden eineinhalb Jahre noch trefflich weiterstreiten.

Aber Musik ist keine höhere Rechthaberei. Thielemanns Espressivo-Beschwörungen sind gewiss einseitig, aber sie schlagen in Bann, wenn man die Ohren aufsperrt. Sein Beethoven ist nicht forsch und aufbegehrend, sondern bereits in den eröffnenden Orchesterschlägen schwer und dunkel. Aus einem sehr freien Tempo entstehen gewaltige Steigerungen. Im Finale inszeniert Thielemann vor dem „Poco andante" eine gewaltige Spannungspause. Sie ist zwar in den Noten nicht vorgesehen, aber trotzdem atemberaubend.

Apollinisch

Maurizio Pollinis apollinischer, der reinen Schönheit verpflichteter Mozart im Klavierkonzert KV 488 ließe sich mit guten Argumenten altmodisch nennen. Aber wie bei der „Eroica" schien auch diese aus der Zeit gefallene Deutung aus dem Augenblick heraus neu gezeugt. Thielemann hörte genau auf Pollini, und die Münchner Philharmoniker fanden zu einem einfühlsamen Dialog mit dem Solisten.

Diese Geschlossenheit entwaffnete alle Einwände gegen das Verschleifen von Gegensätzen und die Leugnung von Mozarts musikalischer Nervosität. Oder, um ein Wort von Giuseppe Verdi zu zitieren: Es kann ein Fortschritt sein, zum Alten zurückzukehren.

Robert Braunmüller

Wieder Sa und So um 19 Uhr, ausverkauft

 

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