Kult-Fahrstühle Nostalgiker befürchten Aus für Paternoster

Ein Paternoster-Aufzug im Rathaus in Leipzig. In München regt sich Widerstand gegen das bundesweit verhängte Paternoster-Fahrverbot. Eine neue Bundesverordnung, die am 1. Juni in Kraft treten soll, erlaubt nur noch befugtem Personal das Betreten der alten Aufzüge mit Nostalgie-Faktor. Foto: dpa

Seit mehr als 100 Jahren fahren Paternoster-Fahrstühle auf und ab. Für die meisten Menschen in Deutschland soll die Technik jetzt tabu sein - das ruft Widerstand hervor.

 

Berlin - Aus Sorge um ein Ende der verbliebenen Paternoster-Aufzüge regt sich in vielen deutschen Städten Protest. Freunde der alten Technik wehren sich gegen eine neue Arbeitsschutz-Verordnung, die an diesem Montag in Kraft tritt. Paternoster, die noch etwa in einigen Bürohäusern fahren, sollen dann nur noch von solchen Beschäftigten benutzt werden dürfen, die eigens eingewiesen wurden. Für Besucher sollen die historischen Fahrstühle demnach nicht mehr zugänglich sein.

Die Stadt Wuppertal will nun Unterschriften für den Erhalt der beliebten Fahrstühle sammeln, die Ende des 19. Jahrhunderts erfunden wurden. Auch die Stadt Stuttgart setzt sich für den Weiterbetrieb ein. Im dortigen Rathaus stehen die drei Paternoster von diesem Montag an aber erst einmal still - denn den Mitarbeitern fehlt bisher die geforderte Einweisung. Widerstand kommt etwa auch aus Hamburg oder München.

"Das ist doch nah am Wahnsinn!", sagte Nordrhein-Westfalens Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) der "Bild"-Zeitung vom Freitag mit Blick auf die Neuregelung. In dem bevölkerungsreichsten Bundesland soll es etwa 50 Paternoster geben, vor allem in öffentlichen Gebäuden. In Duisburg, wo seit den 50er Jahren zwei Lifte laufen, kamen Besucher extra ins Rathaus, um eine letzte, sentimentale Fahrt zu unternehmen.

Das Bundesarbeitsministerium - geführt von Schneiders Parteifreundin Andrea Nahles - wehrt sich allerdings gegen den Eindruck, ein Paternoster-Verbot ausgesprochen zu haben. "Eingeführt wurde eine Benutzungseinschränkung für Publikumsverkehr, weil es in der Vergangenheit immer wieder zu schweren Unfällen und Todesfällen gekommen ist", betonte eine Sprecherin. Die Länder sowie beteiligte Landkreise hatten demnach bei einer Anhörung 2013 eine Einschränkung gefordert.

In Oberhausen war ein kleiner Junge in einen Paternoster-Schacht gedrückt worden. In Frankfurt/Main klemmte sich eine Frau die Beine ein, in Mainz war ein Mann mit dem Kopf eingeklemmt worden.

"Ich habe null Verständnis für diese neue Vorschrift, denn ich kann mich an keinen nennenswerten Unfall, geschweige denn an einen Personenschaden erinnern", sagte indes Stuttgarts Verwaltungsbürgermeister Werner Wölfle (Grüne). Das Ministerium in Berlin kündigte bereits eine weitere Novelle für Herbst an, damit die Paternoster-Benutzung wieder einem breiteren Publikum erlaubt werden könne.

Im Auswärtigen Amt sollen Besucher die Paternoster schon vorher weiterbenutzen können - wenn sie durch begleitende Beschäftigte unterwiesen werden, wie es dort hieß. Nicht gestattet sei die Nutzung etwa mit beweglichen Transportmitteln wie Aktenwagen.

Die Stadt Kiel will ihren Mitarbeitern ein kleines Merkblatt mit Sicherheitshinweisen geben. Die Paternoster-Nutzung im Rathaus ist dort bereits auf Beschäftigte beschränkt, "um Gefährdungen ungeübter Personen auszuschließen". Bisher klären ältere Kollegen neue Mitarbeiter über den Paternoster auf.

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