Mit der Installation will Markus Heinsdorff aus München inspirieren. Es geht um günstiges Bauen und neue Lebensräume, erklärt er.

Starnberg - Rein äußerlich erinnert die sieben Meter lange und sechs Meter hohe Konstruktion schon ein bisschen an Ungetüme aus Science Fiction Filmen.

Doch hinter dem "Space Ship" des Münchner Künstlers Markus Heinsdorff steckt mehr: Er hat diesen schwimmenden Lebensraum aus biegbaren, leichten Stahl-Trockenbau-Profilen als Zukunftsarchitektur in Zeiten der Erderwärmung gestaltet.

Wie kam er darauf? "Die Idee entstand durch meine vielen Bauerfahrungen von Pavillons weltweit. Ich möchte mitgestalten bei den Zukunftsfragen, etwa ‚wie könnte man für die derzeit 60 Millionen Flüchtlinge ein einfaches, bezahlbares Dach über dem Kopf bauen?' Und auch für uns, Stichwort Modulbau", sagt Heinsdorff der AZ.

"Würde man das auf ein Hochhaus setzen, ich würde da sofort einziehen wollen, mit Blick in die Berge."

Außerdem geht's beim "Space Ship" ums schwimmende Leben, denn der Klimawandel sorgt für immer mehr überflutete Gebiete, vor allem in Asien. Für Heinsdorff ist das "Space Ship" mehr als Kunst. Er möchte mit dem aus leichten Modulen bestehenden Konstrukt das aktuelle Thema des Low-Cost-Bauens aufgreifen.

Ganz nach dem Motto: Am See kann sich quasi eh keiner eine Immobilie leisten, warum keine Mobilie auf den See setzen, wird das Objekt nun erstmals wirklich schwimmend zu sehen sein: am 29. Juli, gegen 14.30 Uhr, soll das "Raumschiff" auf dem Starnberger See landen - und dort bis 9. September ankern. Das ist eine Kooperation mit dem Buchheim Museum in Bernried. Schwimmen kann das "Raumschiff" dank 16 gebrauchter 200 Liter Stahlfässer. Sie bilden das Fundament.

Markus Heinsdorff: Foto: ho

2016 hat der Münchner das "Space Ship" schon einmal in seiner Rohform vor der Pinakothek ausgestellt - "die Reaktionen waren zum Teil begeistert, zum Teil ratlos", sagt Heinsdorff. "Es soll ja eine Diskussion anstoßen und zum Nachdenken anregen", sagt er.

Nun wird das Objekt mit Leben gefüllt. Sie glauben nicht, dass man in diesem Leichtbauobjekt wohnen kann? Heinsdorff ist überzeugt davon.

"Es kann theoretisch bewohnbar sein, ich werde es aber nicht bis ins letzte Detail ausbauen. Aber es gibt ein Bett, eine Hängematte und Strom", sagt Heinsdorff.

Er stattet sein "Space Ship" mit allem aus, was er dafür braucht: Einen Gemüsegarten soll es geben, Wohnraum natürlich und sogar eine Aussichtsplattform.

"Studenten der TU haben mitgemacht und in der Zukunft werde ich versuchen mit Unis weiter zusammen zu arbeiten", sagt der Künstler, der das Projekt als "sehr positiv" einschätzt. Die Energie für alles liefert die Sonne, auch eine Warmwasser-Solar-Dusche baut Heinsdorff ein. "Es wird alles fertig, aber halt last minute, wie immer in der Kunst", sagt er am Montag lachend.

Damit sich die Besucher davon selbst ein Bild machen können, wird es ein Ruderboot geben, das sie vom Ufer zum Künstler auf seinem schwimmenden Haus bringt. Heinsdorff wird dann an den ersten drei August-Wochenenden auf dem "Space Ship" leben - der Shuttle verkehrt jeweils von13 bis 17 Uhr.