Kritik an Umbauplänen Schwabinger Krankenhaus: Mit der Abrissbirne saniert

Momentan dreht sich die Debatte um die nördlichste Häuserreihe auf dem Klinikgelände. Foto: Google Maps/Visualisierungen: Ludes Generalplaner GmbH

Der Klinikumbau in Schwabing macht auch vor denkmalgeschützten Bauten nicht Halt. Das ruft jetzt natürlich Kritik hervor

 

Das Gelände des Schwabinger Krankenhauses wird in den nächsten Jahren massiv sein Gesicht verändern. Wo heute noch Patienten siech darniederliegen, könnten schon in absehbarer Zeit Cafés eröffnen, kleine Galerien entstehen oder Studenten einziehen. Bis 2022 wird sich das Krankenhaus im Zuge der Kliniksanierung auf den südöstlichen Teil des Geländes zurückziehen.

Ein Notfallzentrum bleibt erhalten, ansonsten soll sich das Krankenhaus aber im Wesentlichen auf die Dermatologie, Gynäkologie und natürlich die Kinder- und Jugendmedizin konzentrieren. Seit ein paar Wochen wird dafür an der geplanten Kinderklinik gebaut.

Nördlich der jetzigen Baustelle wäre sogar noch Platz für eine mögliche Klinikerweiterung. Doch bevor es ans Expandieren geht, muss sich die Stadt nun erst einmal Gedanken machen, was mit dem restlichen Gelände passieren soll. Im Rathaus denkt man da an eine Art Gesundheitscampus. Die alten Gebäude sollen nach Möglichkeit einer medizinnahen Nutzung zugeführt werden. Wie genau dieser Campus mit Leben gefüllt werden soll, ist derzeit aber noch weitgehend offen.

Die Stadtregierung will alte Patientenhäuser gerne abbrechen

Momentan dreht sich die Debatte um die nördlichste Häuserreihe auf dem Klinikgelände. Die Stadtregierung von SPD und CSU würde die dortigen Gebäude gerne abreißen, um das bestehende Baurecht maximal ausnutzen zu können.

Neben Siebziger-Jahre-Bauten geht es dabei aber auch um das sogenannte Haus 27, das früher die Desinfektionsanstalt beheimatet hat – und das steht eigentlich unter Denkmalschutz.

Das Referat von Stadtbaurätin Elisabeth Merk (parteilos) hat deshalb bereits protestiert. Einem Abriss könne „in keiner Weise zugestimmt werden“, heißt es in einer Stellungnahme des Planungsreferats.

Der Stadtrat hat die Angelegenheit vergangene Woche deshalb noch einmal vertagt. „Wir können aber sicher keinen Blankoscheck für den Denkmalschutz ausstellen“, sagt Horst Lischka, Klinik-Experte der SPD-Fraktion im Stadtrat. Natürlich dürfe das weit über hundert Jahre alte Gelände nicht bis zur Unkenntlichkeit verändert werden, so Lischka. „Aber wir brauchen eben auch günstige Wohnungen für Pflegekräfte.“

Sein CSU-Kollege Hans Theiss sieht das ähnlich. Natürlich würden auch andere Lösungen untersucht, sagt er. So könne man zum Beispiel die Fassade erhalten und nur das Gebäudeinnere umbauen. „Zur Not müssen wir aber auch andere Maßnahmen prüfen“, so Theiss.

Neben dem drohenden Abriss stößt Denkmalschützern noch eine andere Sache auf: Die aktuellen Pläne sehen auf dem Gelände nämlich auch einen Wohnturm mit 50 Meter Höhe vor. Ein Hochpunkt, so hat der Architekt Gerd Goergens schon vergangenes Jahr angemerkt, damals noch als Stadtheimatpfleger, würde aber das gesamte Ensemble zerstören.

Gut 400 Millionen Euro würden die neuen Wohngebäude wohl kosten – Abriss schon inklusive. Ob am nördlichen Rand des Klinikgeländes aber wirklich die Abrissbagger anrücken – das wird sich erst in den nächsten Wochen klären.

Wie es auf dem restlichen Gelände weitergeht, wo Kultur, Gastronomie oder sonstige Einrichtungen angesiedelt werden – das klärt sich ohnehin erst viel später.

 

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