Krise beim TSV 1860 Der Von-Ahlen-Faktor

Ist seit dem achten Spieltag Cheftrainer der Löwen: Markus von Ahlen. Foto: dpa

Der 1860-Trainer gerät immer mehr unter Druck. „Wir brauchen jetzt Ergebnisse“, fordert Sportchef Poschner. Die AZ zeigt, was von Ahlen bewirkt hat – und in welchen Bereichen es Probleme gibt.

 

München - Besonders gesprächig ist Markus von Ahlen in diesen Tagen nicht. Der Trainer hält sich mit öffentlichen Aussagen zurück, ist kurz angebunden, und wenn er etwas sagt, dann lässt er extreme Vorsicht bei seiner Wortwahl walten. Nach den jüngsten Pleiten ist der TSV 1860 auf Platz 16 abgerutscht. Ein Absturz, der nicht spurlos am Trainer vorübergegangen ist. „Wir wissen um unsere Situation“, stellte von Ahlen klar, der auch in eigener Sache zum Erfolg verdammt ist. Seit gut zwei Monaten ist er für den TSV 1860 verantwortlich und seine Bilanz liest sich nicht besonders gut: neun Spiele, neun Punkte, dabei die letzten 2 Spiele verloren.

Kein Wunder, dass Gerhard Poschner überhaupt nicht zufrieden ist. „Die letzten beiden Spiele waren kein Schritt nach vorne. Wir brauchen jetzt Ergebnisse“, forderte er vehement.

Der Sportdirektor stellt sich zwar (noch) hinter von Ahlen, doch er weiß, dass er die Reißleine ziehen muss, wenn sich nicht bald grundlegend etwas ändert. Wie schon im September, als Ricardo Moniz nach sechs Punkten aus sieben Spielen gegangen wurde.

Drei Spiele sind es noch bis zur Winterpause.Drei Spiele, in denen von Ahlen zeigen kann, dass er der Trainer ist, der den TSV 1860 aus der Krise führen kann. Die AZ zeigt, was von Ahlen bewirkt hat und wo es die größten Probleme gibt.

Jugendförderung:

Mit Maximilian Wittek (19), Fejsal Mulic (20), Julian Weigl (19), Marius Wolf (19), Korbinian Vollmann (21) sowie Martin Angha (20) und Stefan Ortega (22) spielten gegen Nürnberg gleich sieben Spieler, die noch keine 23 Jahre alt sind. Eine tolle Entwicklung im Hinblick auf die nächsten Jahre – die aber nicht als Entschuldigung für die aktuelle Situation herhalten sollte. „Als Rama nicht mehr weitermachen konnte, war ich gezwungen, in der Halbzeit den sechsten Nachwuchsspieler zu bringen“, rechtfertigte sich von Ahlen nach dem Nürnbergspiel, stichhaltig ist die Argumentation nicht. Schließlich hätte er auch den erfahrenen Profi Daylon Claasen (24) einwechseln oder Marin Tomasov (27) in den Kader berufen können.

Unzufriedene Spieler:

Der aufgeblähte Kader macht dem Trainer zu schaffen. Bei 32 Spielern sind Unstimmigkeiten an der Tagesordnung. Markus Steinhöfer und Bobby Wood wurden suspendiert, Offensivkünstler Leonardo hat das Weite gesucht. Sie sind bei weitem nicht die einzigen älteren Spieler, die mit ihrer aktuellen Situation unzufrieden sind.

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Unpopuläre Personalentscheidungen:

Innenverteidiger Gui Vallori war schon aussortiert, Abräumer Yannick Stark wollte weg. Dennoch setzt von Ahlen mittlerweile auf beide Spieler in Schlüsselpositionen, für die mit Ilie Sánchez und Gary Kagelmacher bereits Spieler verpflichtet wurden, die den Verein langfristig zum Erfolg führen sollen. Eine unpopuläre Entscheidung, die auch sportlich schwer nachzuvollziehen ist. Denn zuletzt waren die Leistungen beider Spieler, deren Verträge im Sommer auslaufen, äußerst dürftig.

Kontinuität?

„Beharrlichkeit wird sich am Ende auszahlen“, predigt von Ahlen immer wieder. Doch die vorgelebte Kontinuität ist in seinen Aufstellungen nur teilweise erkennbar. Spieler wie Sebastian Hertner pendeln zwischen ausrangiert und Startelf, die Resultate sprechen Bände. Jedem Sieg folgte postwendend eine Niederlage, ein Remis gab es in der von Ahlen-Ära noch nie.

 

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