Krimifestival Andrea Sawatzki: Von Stephen King lernen

Andrea Sawatzki war «Tatort»-Kommissarin, hat den Grimme-Preis gewonnen und ist mit Christian Berkel verheiratet. Aber die rothaarige Schauspielerin hat auch weniger bekannte Seiten. Nun erscheint im Piper-Verlag ihr Romandebüt, «Ein allzu braves Mädchen». Foto: Ole Spata

Die ehemalige „Tatort“- Kommissarin Andrea Sawatzki eröffnet mit ihrem ersten selbst verfassten Roman das Münchner Krimifestival

 

Eine junge Frau in einem Wald, zusammengekauert unter einer Tanne, auf der Flucht. Ein alter Mann, ermordet in seiner Villa in Grünwald. Und eine Psychiaterin, welche die Frau aus dem Wald in einer Klinik untersucht und in deren dunkle Lebensgeschichte eintaucht. „Ein allzu braves Mädchen“ (Piper, 176 Seiten, 16.99 Euro) heißt der erste Krimi von Andrea Sawatzki. Am Samstag eröffnet die Schauspielerin das Münchner Krimifestival.

AZ: Frau Sawatzki, Ihr Krimi entpuppt sich als düsteres Psychogramm einer Frau. Hatten Sie die Geschichte schon konstruiert im Kopf?

ANDREA SAWATZKI: Der Wunsch zu schreiben hat schon sehr lange in mir existiert. Mein Vater war Schriftsteller, ich bin mit Büchern groß geworden und liebe es, zu lesen. Im Sommer 2011 habe ich dann ernsthaft überlegt, ein Buch zu schreiben. Mein Mann Christian legte mir Stephen Kings „Das Leben und das Schreiben“ nahe. Das habe ich zweimal gelesen. Dann habe ich losgelegt. Am Ende hatte ich 16 Fassungen, in denen ich alle möglichen Figurenkonstellationen ausprobiert habe. Aber schließlich ging es hauptsächlich um diese Frau.

Was kann man von Stephen King lernen?

Zum Beispiel, dass man gerade die Teile, an denen man besonders hängt, rausschmeißt, weil sie oft für den Leser nicht rüberkommen. Und dass man vorsichtig sein soll mit Adjektiven, dass man die Sätze in Anschaulichkeit ertränken kann. Man soll schnörkellos bleiben, konkret, den Bildern im Kopf folgen.

Der Roman ist kurz und schnörkellos. Waren zuerst die Bilder im Kopf da?

Ja. Ich glaube, ich habe sehr schauspielerisch gearbeitet. Durch die Schauspielerei interessiere ich mich sehr für die Psychologie der Menschen, analysiere, wieso sie auf eine gewisse Weise handeln und reagieren. Beim Spielen kommt man dann oft gar nicht an diesen Punkt, wo es spannend wird.

Sie hatten wie Ihre Hauptfigur einen Vater, der unter Demenz litt. Ist es nicht ein schmaler Grat zum Autobiografischen?

Das Buch ist auf keinen Fall autobiografisch. Ich weiß natürlich, worüber ich schreibe, wenn ich über einen Alzheimerkranken schreibe, aber die Figuren sind erfunden. Das Buch ist gut recherchiert, aber es ist nicht mein Leben.

Sie waren Kommissarin im Frankfurter „Tatort“. Kamen Ihnen Ideen zu Krimis in den Drehpausen?

Es ist bestimmt so, dass ich mir manchmal überlegt habe, was ich gern gespielt hätte oder gerne spielen würde. Wahrscheinlich ist das Schreiben dadurch entstanden, dass es nicht immer interessante Rollen gibt. Ideen habe ich eigentlich ständig, so wie ich auch ständig schreiben kann.

Es war zu lesen, dass Sie sich besonders gut zu Hause konzentrieren können, wenn die Kinder um Sie herum sind.

Ja, mein Vorteil ist, dass ich gerade, wenn ich unter Menschen bin, sehr gut schreiben kann. Im Januar 2012 habe ich in Wien gedreht und mich abends immer in die Bar gesetzt, mit Ohropax im Ohr, um zu schreiben. Dabei habe ich mir die Menschen um mich herum angeguckt.

Vielleicht mögen Sie die Einsamkeit des Schreibens nicht.

Einsam ist man doch eh nicht beim Schreiben. Wenn man sich mit den Figuren angefreundet hat, dann befindet man sich mit ihnen in einer Scheinwelt. Das ist ein bisschen wie im Film.

Sie siedeln den Mord zu Beginn in unserem schönen Grünwald an. Wieso München und nicht Berlin, wo Sie mit Ihrer Familie wohnen?

Weil München sanfter ist oder zumindest so wirkt. Weil es idyllischer ist. Da knallt’s noch mehr raus.

Nachträglichen Glückwunsch zum 50. Geburtstag! Ist das Alter ein Grund, die Karriere in andere Richtungen auszuweiten?

Das hat sich alles eher ergeben. Genauso wie der Liederabend, mit dem ich am 17. Mai nach München kommen werde. Das sind alles Dinge, die sehr mit der Schauspielerei zu tun haben, wofür mir aber früher die Konzentration und die Zeit fehlten. Meine Kinder sind jetzt 10 und beinah 14, die können sich nun mehr selbst beschäftigen. Ich finde auch, und das hat gar nichts mit dem Alter zu tun, dass man seine Zeit nutzen sollte. Das Leben ist so kurz. Da sollte man so viel wie möglich ausprobieren.

Für die ausverkaufte Lesung mit Andrea Sawatzki in der BMW-Welt am Samstag um 19 Uhr liegen heute, Freitag (ab 8.30 Uhr) 3 mal 2 Freitickets für schnelle AZ-Leser in der Schalterhalle bereit (Rundfunkplatz 4).

 

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