Krailling Das Schweigen der Ermittler

„Zum Umfang dieser Aktivitäten äußern wir uns nicht“: Oberstaatsanwältin Andrea Titz neben Markus Kraus, Chef der Mordkommission. Foto: dpa

Die Staatsanwaltschaft gibt kaum Informationen über den Mord an den Mädchen weiter. Einen Massen-Gentest wird es vorerst nicht geben. Jetzt sollen Spezialisten helfen.

 

Krailling - Eine Woche ist seit dem Doppelmord an Sharon (11) und Chiara (8) bereits vergangen – und die Polizei tappt weiter im Dunkeln.
Es gibt keinen Verdächtigen, niemanden, zu dem die DNA-Spur vom Tatort passt. Umso mehr ärgert es die Menschen in Krailling, dass die Staatsanwaltschaft jetzt quasi eine Nachrichtensperre über den Fall verhängt hat und die Öffentlichkeit lediglich mit spärlichen Informationen versorgt. Aus Taktik? Oder aus Ahnungslosigkeit?
„Wir haben mittlerweile 50 Hinweise aus der Bevölkerung erhalten und sie zum größten Teil abgearbeitet. Leider haben sich daraus keine Anhaltspunkte ergeben, die auf einen Tatverdächtigen schließen lassen ”, sagt Andrea Titz, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München II.
 

Außerdem habe man die Soko „Margarete” – benannt nach der Straße, in der das schreckliche Verbrechen geschah – auf 31 Beamte aufgestockt und Kollegen der Abteilung „Operative Fallanalyse” hinzugezogen. Anhand der Spurenlage am Tatort versuchen diese Spezialisten nun, auf das Motiv und die Persönlichkeit des Mörders zu schließen (siehe unten).
Einen Massen-Gentest wie zuletzt in Dresden, als ein zweifacher Kinderschänder mit Hilfe seines genetischen Fingerabdrucks überführt wurde, wird es in Krailling vorerst nicht geben. „Allerdings sollen auf freiwilliger Basis weiter Speichelproben genommen werden”, sagt Andrea Titz. Wie viele Männer schon mit dieser Methode überprüft wurden, mag die Staatsanwältin nicht verraten: „Aber wir werden weiterhin gezielt auf Personen zugehen, jedoch nicht auf Grundlage eines konkreten Tatverdachts.” Ob es sich um Schabernack-Gäste oder Freunde der Familie handelt? Kein Kommentar.
 

Auch zum Thema Internet lassen sich die Ermittler kaum etwas entlocken. Mütter von Freundinnen erzählen, dass Sharon und Chiara nicht nur bei Facebook Profile hatten, sondern auch regelmäßig im Netz chatteten. Sharon soll ihren Online-Freunden nicht nur ein Mal gepostet haben, dass sie mit ihrer Schwester gerade allein zu Hause sei.
Von der Staatsanwaltschaft gibt es auch dazu nur einen Satz: „Zum Umfang dieser Aktivitäten äußern wir uns nicht”, erklärt Andrea Titz.
Sie habe Verständnis für die Verunsicherung der Menschen, sagt die Juristin. Es werde Tag und Nacht an der Aufklärung des Falles gearbeitet: „Die Polizisten machen ihre Arbeit in sehr, sehr guter Weise.” 

 

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