Kot per Post Übersetzerin stalkt Ex und neue Freundin

Kommt vor Gericht mit einer Bewährungsstrafe davon: die Stalkerin Brigitte P. (53). Foto: Torsten Huber

Die Trennung von ihrem Mann kann sie nicht verwinden – da stellt Brigitte P. ihrem Ex und dessen neuer Freundin (48) nach. Vorm Amtsgericht kommt sie mit Bewährung davon

München - Seit zwei Jahren ist das Leben der Münchner Ingenieurin Bea P. (48) der reinste Albtraum: „Ständig ruft die Ex-Frau meines Lebensgefährten bei mir an. Bis zu 180 Mal am Tag. Sie lauert vor meiner Wohnungstür. Mein Wagen ist zerkratzt, und die Radmuttern waren locker.“ Seither leidet sie unter Schlafstörungen, Depressionen und ist in ärztlicher Behandlung.

Jetzt sitzt die Übersetzerin Brigitte P. (53) wegen Nachstellung vor dem Münchner Amtsgericht. In der Verhandlung behauptet sie allerdings: „So stimmt das nicht. Mein Mann ist plötzlich weg. Ich wollte mit ihm über unsere Trennung und Scheidung sprechen. Er ist aber nie erreichbar gewesen.“

Fakt ist: Im Juni 1996 hatte die Angeklagte den drei Jahre jüngeren Günter H. geheiratet. Sie haben eine gemeinsame Tochter. Die ist inzwischen 16 Jahre alt. Mit den Jahren aber kam es zwischen Günter H. und Brigitte P. immer wieder zu Streitereien.

Günter H. sagt vor Gericht: „Aus Wut hat sie einmal meine Sachen aus dem Fenster geworfen und mich sogar angegriffen.“ Irgendwann ist das Maß voll. Im Dezember 2008 zieht Günter H. aus. Er findet Unterschlupf bei seiner Kollegin Bea P. Sie arbeitet – wie die Angeklagte auch – im gleichen großen Betrieb in München. Bea P. sagt vor Gericht: „Ich war zu dem Zeitpunkt in Wien tätig. Meine Wohnung in München stand leer.“

Aus der zunächst kollegialen Freundschaft entsteht 2009 eine Liebesbeziehung. Die Noch-Ehefrau Brigitte P. bekommt davon erst nichts mit. Günter H. war in diesen Jahren nämlich bereits mehrmals ausgezogen – und immer wieder zu ihr zurück gekommen. Nur diesmal macht er ernst.

2010 reicht er die Scheidung ein. Im März 2011 geht dann der Stalking-Terror los: Am Morgen des 14. März steht Brigitte P. von 7.45 bis 9.30 Uhr plötzlich vor der Wohnung von Bea P.  Am Nachmittag taucht sie zwischen 14.15 bis 14.30 Uhr erneut vor dem Anwesen der Ingenieurin auf. Auch in den nächsten Tagen steht die Angeklagte immer wieder vor der Wohnungstür von Bea P. Anrufe folgen, mit wüsten Beschimpfungen: „Arschloch, Nutte, Hure!“ Zu ihrem Geburtstag schickt die Stalkerin sogar ein Paket mit Pferdemist.

Günter H. und seine neue Lebenspartnerin erwirken bei Gericht ein Kontaktverbot. Dieses Verbot aber ignoriert Brigitte P. Das Paar zieht in seiner Verzweiflung daraufhin sogar in ein anderes Stadtviertel. Brigitte P. soll dann einen Detektiv auf den Ex und seine neue Liebe angesetzt haben. Es dauert nicht lange, bis sie vor der neuen Wohnung auftaucht. Dort reißt sie die Namensschilder an Tür und Briefkasten ab. Bea P. hat keine Beweise, dass die Angeklagte ihren Wagen zerkratzt und die Radmuttern gelockert haben soll. Aber es sei naheliegend, sagt sie vor Gericht.

Der Ex-Mann der Angeklagten erinnert sich noch an einen besonders krassen Fall: „Wir waren am Wochenende bei meiner Schwester. Auf der Heimfahrt wählte ich immer Schleichwege.“ Aber Brigitte P. steht an diesem Tag schon vor der Haustür. Sie springt vor das Auto, trommelt auf die Kühlerhaube und schreit: „Arschloch!“

Bea P. ruft die Polizei. Als die Angeklagte flüchten will, hält sie Günter H. an den Armen fest. Sie schreit. Ein Spaziergänger mischt sich ein: „Lassen Sie die Frau los!“ Günter H. erinnert sich: „Als sie sich dann losriss, hat sie mir den kleinen Finger gequetscht.“

Die Einlassung der Angeklagten ist für das Gericht nicht glaubwürdig. Das Urteil des Amtsgerichts: zehn Monate Haft auf Bewährung. Der Grund: Die Anrufe und Beleidigungen haben inzwischen nachgelassen.

 
 

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