Konzertkritik Twin Shadow Album ist absolut livetauglich

George Lewis Jr. alias Twin Shadow hat Ende September sein Debüt veröffentlicht. Jetzt ist er damit in Deutschland unterwegs. Foto: Samantha West

Nichts klingt erzwungen oder künstlich bei dem Auftritt von Twin Shadow in der Münchner Kranhalle.

 

München Wer aufgrund der graubraunen Antiästhetik des Albumcovers von „Forget“, dem Debütalbum des Brooklyner Multiinstrumentalisten Twin Shadow, vom Hören bisher zurückgeschreckt hat, ist selbst schuld: In der Kranhalle bewies der gebürtige Dominikaner, dass unterkühlter Synthie-Pop live mit intelligenter Performance zum absoluten Killer werden kann.

Normalerweise ist Skepsis angebracht, wenn ein sphärisches Kopfhörer-Kunstwerk wie „Forget“ auf der Bühne gespielt werden soll. Es ist ein Album, auf dem ein trockener Dubstep-Beat auf wavige Synthieflächen aus den Achtzigern trifft und die düstere, pessimistische Stimme von George Lewis Jr. aka Twin Shadow über allem zu schweben scheint.

Zudem kommt hinzu, dass der Mittzwanziger das Album, welches von „Grizzly Bear“-Mastermind Chris Taylor produziert wurde, komplett alleine aufgenommen hat. Es ist also eigentlich nicht für die Bandsituation ausgelegt.

Twin Shadow zeigt jedoch, dass diese Musik absolut livetauglich ist - sofern sie clever interpretiert wird: Statt den tiefen, eisigen Abgründen aus entschlackter Nüchternheit, die sich auf der Platte erkennen lassen, zeichnen sich bei diesem Auftritt warme, luftige, energetische Höhen ab, die einen zugleich berühren und überraschen.

Der Opener „Yellow Balloon“ markiert schon die Marschrichtung für diesen Abend: Funkig und kraftvoll spielen die vier Musiker auf und es ist eine Genugtuung, der souligen, aber dennoch zerbrechlichen Stimme von Twin Shadow zu lauschen.

Nichts klingt erzwungen oder künstlich und diese Virtuosität zieht sich durch das gesamte Set. Besonderer Höhepunkt dieser Performance ist der Song „Tether Beat“: Während zunächst meditativ-hypnotisch die Songzeile „Does your heart still beat?“ unzählige Male wiederholt wird und die Zuschauer schon wie narkotisiert mitschweben, bricht plötzlich ein gewaltiges Feuerwerk aus elektrischer Gitarre und Schlagzeugbecken auf sie herunter. Kurze Zeit später wird dies durch einen Discobeat samt Trance- und Lo-Fi-Zitaten abgelöst.

Und das ist nicht alles: Sowohl das vom Bassisten gesungene „Silverglow“ als auch das David Bowie-Cover „Ashes to Ashes“ fügen sich wunderbar in die perfekt abgestimmte Setlist ein. Einzig echtes Manko dieses Abends: Zeitweise dröhnt der Synthesizer viel zu laut in den sonst einwandfreien Sound hinein. Dies muss aber eher den Soundtechnikern als der Band zugeschrieben werden.

 

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