Konzertkritik Maria Mena im Strom

Maria Mena Foto: dpa

Die norwegische Sängerin versucht einen Imagewechsel  - mit mäßigem Erfolg

Wer sich für einen Songtitel bei seinen Fans mit einem „nicht persönlich gemeint“ entschuldigt, muss ganz schön viele Ängste haben. Und tatsächlich wirkt Maria Mena nicht nur bei ihrer Anti-Online-Mobbing-Nummer „Fuck You“ ein wenig nervös. Immerhin plant die 27-jährige Norwegerin für ihren Gig im vollen Strom (verlegt von der Muffathalle) eine kleine Sound-Revolution. Weg vom gefühligen Melancholie-Balladen-Pop, hin zum fetzigen Electro-Geblubber.

Was ihre neue Platte „Weapon in Mind“ an Knalleffekten verspricht, bewahrheitet sich auch live. Ganz dem Klischee widersprechend, es nach einer Hochzeit etwas ruhiger angehen zu lassen, gibt die frisch Verheiratete im Strom zu Stroboskopblitzen die Teenie-Hupfdohle. Gleich zu Beginn rollen die ersten Eurodance-Synthiebeats durch den Club, während die Menaianer in der Schockstarre verharren. Aber Maria, ganz im sportlichen Unschuldsweiß und mit zappelndem Zopf, kennt keine Gnade und reißt mit ihrer Fünf-Mann-Band konsequent die erhoffte Kuschel-Abend-Stimmung des eher gesetzteren Pärchen-Publikums ein. Und als wüsste die sympathisch unprätentiöse Gute-Laune-Queen, dass man sich erst an die neue Schlagrichtung gewöhnen muss, verspricht sie auch ein paar ältere Hits. Nicht verraten hat sie dabei aber, dass die fast im Stile ihrer Landsleute A-Ha als 80er Jahre Wave („Just Hold Me“) daherkommen.

So sehr man den Mut zur Imagekorrektur dann auch bewundern kann, so schade ist es doch, dass Mena mit Halleffekten und Loops mitunter auch an ihrer Stimme schraubt. Dabei ist die in ihrer kräftigen Zartheit immer noch ihre stärkste Live-Waffe. Dennoch bekommt Mena zu guter Letzt die Stimmungs-Kurve, weil ihr Duett mit dem wunderbaren Lausbuben-Vorband-Sänger Mads Langer („Habits“) einfach entwaffnend emotional und „All This Time“ immer wieder ein Herzschmerz-Volltreffer ist. Florian Koch

 

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