Konzertkritik James Blake im Atomic-Café

James Blake (hier ein Pressefoto) spielte im Atomic Café. Foto: Atomic Café

James Blake spielte am Montag im Atomic Café. Das seit Wochen ausverkaufte Konzert war mit Spannung erwartet worden.

 

Wenn man einen beliebigen deutschen Feuilletonisten nach dem angesagtesten Musiker des angebrochenen Jahres 2011 fragen würde, wäre die Antwort wohl durch die Bank dieselbe: James Blake. Der britische Dubstep-Produzent und Songwriter wird in den Kulturredaktionen genau wie im Internet wahlweise als Wunderkind, als Genie oder als Revolutionär der Popmusik gefeiert. Dieser Hype lässt sich auf verschiedene Faktoren zurückführen. In erster Linie wurzelt er aber darin, dass das selbstbetitelte Debütalbum des 22-jährigen Musikstudenten mit solcher Virtuosität bis ins kleinste Detail geschliffen wurde, dass es jedes vergleichbare Stück Musik wie ein Witz dastehen lässt. Nun ist er auf Europa-Tour und sein Konzert im Münchner Atomic Café ist schon Wochen vorher ausverkauft, obwohl sein Album keine zwei Monate jung ist.

Bevor James Blake die Bühne betritt, darf noch das britische Duo Cloud Boat seine eindringliche Mischung aus Dubstep und Folk präsentieren. Unaufgeregt und sehr persönlich ist der Auftritt der beiden Musiker, die mit nichts als einer Drummachine, Gitarren und ihren Stimmen ergreifende Klangwelten in der Nähe von Post Rock-Künstlern wie Mogwai herbeizaubern.

Als James Blake die Bühne betritt, wird klar, dass er nicht viel von seiner Idealisierung als Popstar hält. Introvertiert und unspektakulär gibt er sich und nach einigen Songs merkt man, dass der visuelle Aspekt in Blakes Show keine Rolle spielt.

Wichtig dagegen ist das Geräusch und sein Gegenpart, die Stille. Die Musik ist an manchen Stellen mit solcher Intensivität und praller Energie gefüllt, dass man erwartet, sie würde im nächsten Moment implodieren und das polyrythmisch angeordneten Arrangement komplett auseinander werfen. Dann aber gibt es Momente, an denen nur das leise Klavier sowie Blakes fragile Stimme ertönen und man sich vergeblich zu erinnern versucht, wann Musik je mit solchen fein abgestimmten emotionalen Kategorien ausgestattet worden ist. Und zuletzt der wohl wichtigste Aspekt im magischen Spektrum von Blakes musikalischem Können: Die Augenblicke der absoluten Stille, in der die Verlorenheit im Nirvana der Musik komplett absorbiert wird und kurz später durch dröhnendes Bassgewummer in abgrundtiefe Frequenzbereiche zersprengt wird.

Bei aller Perfektion ist jedoch der Erfolg des jungen Briten nicht unumstritten. Durch die elektronische Modulation seines Gesangs kompensiere Blake stimmliche Unzulänglichkeiten, so die Kritiker. Letztlich aber muss jeder Hörer selbst entscheiden, ob er die durch die elektronische Komponente auch ein bisschen künstliche Musik auf sich wirken lassen möchte. Wenn nicht, dann entgeht ihm möglicherweise ein kleines Stückchen Musikgeschichte.

 

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