Konzerte Mehr Fantasie wagen!

Der 1929 in Amsterdam geboren Bernard Haitink ist ein herausragender Bruckner-Dirigent. Foto: dpa

Bernard Haitink und die Rundfunker mit Bruckners Vierter und Mozart im Gasteig

 

Im Dezember spielte das Bayerische Staatsorchester unter Zubin Mehta Bruckners „Romantische”. Die gleiche Symphonie gab es am Montag beim Gastspiel der Berliner Staatskapelle unter Daniel Barenboim einschließlich eines Mozart-Klavierkonzerts. Die gleiche Programmidee kam auch der löblichen Direktion des BR-Symphonieorchesters in den Sinn: Und so gab es am Donnerstag zum dritten Mal die Vierte, binnen Wochenfrist zweimal verbunden mit Mozart.

Keinesfalls wollen wir hier den bürokratischen Satan einer einer Konzert-Generalintendanz an die Wand malen. Aber weil das leider kein Einzelfall ist: Planende Absprachen könnten das Musikleben unserer schönen Stadt bereichern. Mehr Fantasie dürfte auch gewagt werden: Fortgeschrittene Brucknerianer würden statt einer dreimaligen Aufführung der landläufigen Version der Vierten von 1878/80 auch einmal die sperrige Urfassung oder das kaum bekannte „Volksfest”-Finale aus dem Jahr 1878 goutieren.

Allerdings lernen alte Herren wie Bernard Haitink nur ungern um. Der 82-Jährige meidet jede Einseitigkeit: Seine Bruckner-Aufführungen sind mehr Wiedergabe als Interpretation – was bei diesem Komponisten allerdings ein Vorzug ist. Haitink baut Steigerungen gelassen auf, mildert Schärfen, lässt aber auch Raum für düstere Schattierungen und irritierende Zwischentöne. Vom leider undeutlichen, nicht wirklich eruptiven Durchbruch des Hornrufs aus dem ersten Satz am Beginn des Finales einmal abgesehen, gelang eine ausgewogene, im besten Sinn klassische Aufführung der „Romantischen”.

Davor überraschte Maria João Pires mit einer lyrischen Sicht auf Mozarts Klavierkonzert KV 466, dessen Tonart d-moll viele Pianisten zu einer Dämonisierung verführt. Sie reagierte wach auf das Orchester, ließ den romantischen Zucker weg und kehrte mit viel Binnenspannung in den melodischen Linien den kammermusikalischen Geist heraus. Dergleichen ist im Riesen-Gasteig nur schwer zu begleiten. Und so trübten auch ein paar etwas strohige Stellen der Streicher des BR-Symphonieorchesters am Beginn des ersten Satzes das Vergnügen.

Am So um 11 Uhr spielt Maria João Pires im Herkulessaal mit Solisten des BR-Symphonieorchesters Schuberts „Forellenquintett”. Restkarten ab 10 Uhr

 

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